Hannover. Die Ärztekammer Niedersachsen und die Psychotherapeutenkammer Niedersachsen kritisieren die jüngst beschlossene Honorarkürzung in der ambulanten Psychotherapie. Trotz steigenden Bedarfs wurde im März 2026 eine Kürzung der Vergütung um 4,5 Prozent beschlossen, was laut den Kammerpräsidentinnen die Versorgung in Niedersachsen gefährdet. Die Honorarkuerzungen Psychotherapie Niedersachsen stoßen auf deutliche Ablehnung.
Psychotherapie in Krise: Auswirkungen der Honorarkuerzungen Psychotherapie Niedersachsen
Die Entscheidung des GKV-Spitzenverbands, im Bewertungsausschuss die Vergütung für psychotherapeutische Leistungen um 4,5 Prozent zu senken, betrifft sowohl ärztliche als auch psychologische Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten sowie Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten (KJP) in Niedersachsen. Die Verhandlungen zwischen der Kassenärztlichen Bundesvereinigung und dem GKV-Spitzenverband führten nicht zu einer Einigung, weshalb der Erweiterte Bewertungsausschuss unter unparteiischer Leitung diese Entscheidung traf.
Diese Honorarkürzung fällt in eine Zeit, in der der Bedarf an psychotherapeutischer Behandlung stark ansteigt, insbesondere bei Kindern und Jugendlichen. Die Präsidentinnen der Ärztekammer Niedersachsen, Dr. med. Marion Charlotte Renneberg, und der Psychotherapeutenkammer Niedersachsen, Dr. rer. nat. Kristina Schütz, warnen vor den Folgen:
„Honorarkürzungen in einer Zeit eines gestiegenen Bedarfs an psychotherapeutischer Behandlung sind unverantwortlich und nicht hinnehmbar.“
Die ambulante psychotherapeutische Versorgung erfordere aufgrund ihres hohen Zeitaufwands und der guten fachlichen Qualifikation eine angemessene Honorierung.
Auswirkungen auf Praxen und Patientinnen
Obwohl zugleich die Strukturzuschläge um 14,25 Prozent erhöht wurden, könne dies viele Praxisinhaberinnen nicht kompensieren. Besonders Praxisinhaberinnen mit reduzierter Auslastung etwa durch Kinderbetreuung oder Krankheit profitieren kaum davon. Die Honorarkürzungen verschärften bereits bestehende Probleme bei der Nachbesetzung von Praxen, insbesondere in ländlichen Regionen mit ohnehin langen Wartezeiten.
Ein weiterer besorgniserregender Effekt besteht darin, dass durch Honorarkürzungen die Versorgungsqualität leiden könnte, was wiederum zu Chronifizierungen psychischer Erkrankungen und langfristigen Arbeits- oder Schulausfällen führt.
Hintergrunddaten zum steigenden Versorgungsbedarf
Studien belegen, dass die Diagnoseprävalenz psychischer Störungen in Deutschland seit 2012 deutlich gestiegen ist. Insbesondere immer mehr Kinder und Jugendliche benötigen stationäre und ambulante psychotherapeutische Hilfe, wie Untersuchungen der COPSY-Studie und veröffentlichte Abrechnungsdaten zeigen (Thom et al. 2025; Deutsches Ärzteblatt 2026).
Weitere Informationen zu psychischen Erkrankungen und Versorgung finden sich auf den Seiten des Robert Koch-Instituts und ausführliche Details zur Ärztekammer Niedersachsen auf regionalupdate.de.
Weitere Maßnahmen und Perspektiven
Die Kammern fordern, die Vergütung psychotherapeutischer Leistungen nicht weiter zu reduzieren, sondern vielmehr die Versorgungssituation zu verbessern. Die Situation in Niedersachsen steht exemplarisch für bundesweite Herausforderungen der psychotherapeutischen Versorgung.
Entscheidungen wie die derzeitige Honorarkürzung werden in den kommenden Monaten ihre volle Wirkung entfalten. Es bleibt abzuwarten, ob politische und gesundheitspolitische Akteure zu einer Einigung finden, die die ambulante Psychotherapie dauerhaft sichert und ausbaut.
- Die Ärztekammer Niedersachsen vertritt rund 48.000 Ärztinnen und Ärzte.
- Die Psychotherapeutenkammer Niedersachsen ist die Interessenvertretung von etwa 6.200 Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten.
Weitere Entwicklungen rund um das Thema Honorarkuerzungen Psychotherapie Niedersachsen und relevante Gesundheitsthemen lassen sich aktuell auf regionalupdate.de verfolgen.
Mehr Informationen zur Ärztekammer Niedersachsen
Psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland
Ausblick: Versorgungssituation unter Druck
Die Honorarkürzungen in der Psychotherapie stellen eine bedeutende Herausforderung für den ambulanten Versorgungsbereich in Niedersachsen dar. Die Kammern kündigen an, weiterhin gegenüber der Politik und den Kostenträgern auf eine angemessene Finanzierung zu drängen, um die Versorgungssicherheit zu gewährleisten. Erste Folgegespräche und Initiativen sind in Vorbereitung, um die Situation der Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten sowie der Betroffenen zu stabilisieren.

