Die Teilnahme am öffentlichen Leben und der Besuch von Veranstaltungen in der Innenstadt sollen in Rheine künftig für alle Bürgerinnen und Bürger einfacher und sicherer werden. Ein oft unterschätztes Hindernis für Menschen mit Mobilitätseinschränkungen, aber auch für Eltern mit Kinderwagen, waren bislang Kabel und Leitungen, die bei Events quer über die Laufwege verlegt werden mussten. Dank einer Initiative aus der Bürgerschaft investiert die Stadt nun gezielt in Barrierefreiheit: Spezielle, barrierearme Kabelbrücken gehören ab sofort zum festen Inventar bei Großveranstaltungen.
Ein Impuls aus der Bürgerschaft führt zum Erfolg
Den Stein ins Rollen brachte das Rheiner Ehepaar Elke und Holger Böse. Während eines Besuchs auf einem auswärtigen Weihnachtsmarkt machten sie eine Beobachtung, die ihren Alltag direkt betraf. Elke Böse, die selbst auf einen Rollstuhl angewiesen ist, erlebte dort zum ersten Mal Kabelbrücken mit integrierten Übergangshilfen, die ein problemloses Überqueren ermöglichten. „Das hat uns sofort überzeugt“, berichtet das Ehepaar.
Zurück in der Heimat zögerten sie nicht und wandten sich mit ihrem Vorschlag direkt an Bürgermeister Dr. Peter Lüttmann. Die Schilderung des konkreten Nutzens – nicht nur für Rollstuhlfahrer, sondern auch für Personen mit Rollatoren oder Sportkinderwagen – stieß im Rathaus auf offene Ohren. Das Team von RheineMarketing, ein Zusammenschluss aus Stadtverwaltung, Tourismusverband, Wirtschaftsförderung und Stadtkultur, griff die Idee unmittelbar auf und suchte nach einer unbürokratischen Lösung für die Umsetzung.
10.000 Euro für mehr Inklusion und Teilhabe
Die Verwaltung handelte zügig: Aus dem Budget zur Förderung der Behindertenarbeit wurden insgesamt 10.000 Euro bereitgestellt, um acht dieser modernen, barrierearmen Elemente anzuschaffen. Diese speziellen Kabelbrücken verfügen über flache Rampen und integrierte Übergangssysteme, die die bisherigen Stolperfallen in sanfte Übergänge verwandeln. Damit setzt die Stadt Rheine ein deutliches Zeichen für Inklusion. Es geht darum, Barrieren im Kopf und auf dem Boden abzubauen, damit möglichst viele Menschen uneingeschränkt am gesellschaftlichen Leben teilnehmen können.
Die Verantwortlichen von RheineMarketing betonen dabei den Wert des bürgerschaftlichen Engagements: „Es ist ein hervorragendes Beispiel dafür, wie wertvoll Hinweise direkt aus der Bevölkerung sind. Solche Impulse helfen uns, die Stadt konkret und im Sinne aller Bewohner weiterzuentwickeln.“
Premiere beim Street Food Festival geglückt
Die Feuertaufe haben die neuen Kabelbrücken bereits bestanden: Beim Street Food Festival am vergangenen Wochenende kamen sie erstmals offiziell zum Einsatz. Die Resonanz war durchweg positiv, da die Wegeführung deutlich flüssiger und sicherer gestaltet werden konnte. Doch das war erst der Anfang. Perspektivisch sollen die Brücken bei allen großen Highlights im Rheiner Veranstaltungskalender – vom Emsfestival bis hin zu den traditionellen Stadtfesten – für barrierefreien Komfort sorgen.
Auch Elke und Holger Böse zeigen sich sichtlich erfreut über die Geschwindigkeit, mit der ihre Anregung in die Tat umgesetzt wurde. Für sie und viele andere bedeutet diese Anschaffung ein Stück mehr Freiheit und Lebensqualität bei jedem zukünftigen Besuch in der Rheiner Innenstadt. Rheine zeigt damit einmal mehr, dass Inklusion oft mit praktischen, klugen Lösungen im Kleinen beginnt, die eine große Wirkung für die Gemeinschaft entfalten.

