Niedersachsens Kommunen berichten auch 2025 von einem erheblichen Finanzierungsdefizit. Die Schulden steigen dramatisch, was zu einer alarmierenden Situation führt.
Finanzierungsdefizit erreicht 3,65 Milliarden Euro
Wie das statistische Landesamt mitteilt, beläuft sich das Finanzierungsdefizit der niedersächsischen Kommunen im Jahr 2025 auf 3,65 Milliarden Euro. Dies stellt bereits das sechste consecutive Jahr mit einem Defizit dar und passiert trotz einer Steigerung der Steuereinnahmen um 7,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Der Bund der Steuerzahler bezeichnet diese Entwicklung als alarmierend und fordert grundlegende Reformen in der Kommunalfinanzierung.
Rasante Verschuldung und steigende Zinslasten
Besonders besorgniserregend ist der Anstieg der Kommunalverschuldung: Diese ist innerhalb eines Jahres um 22,4 Prozent gestiegen, von 18,8 Milliarden Euro auf 23 Milliarden Euro. Ein großer Teil dieser Schulden ist auf die stark wachsenden Kassenkredite zurückzuführen, die im letzten Jahr um 67,5 Prozent auf fast 3 Milliarden Euro angewachsen sind. Jan Vermöhlen, Vorstandsmitglied des BdSt, hebt hervor: „Jeder Euro, den sich die Kommunen leihen, kostet langfristig Zinsen, die den Kommunen zur Erfüllung ihrer Aufgaben fehlen.“ Die Zinszahlungen sind 2025 um 18,2 Prozent auf rund 492 Millionen Euro gestiegen und haben sich seit 2022 mehr als verdoppelt.
Notwendigkeit von Reformen und Gebietsreformen
Um die finanzielle Belastung der Kommunen zu bewältigen, fordert der Bund der Steuerzahler eine gesamtstaatliche Debatte über die künftigen Pflichten und die Finanzierung der Kommunen. Das Land Niedersachsen und der Bund müssen sich stärker an den bereits bestehenden Pflichtaufgaben beteiligen. Zudem sieht Vermöhlen auch die Notwendigkeit von Gebietsreformen: Von den etwa 940 Gemeinden in Niedersachsen haben 400 weniger als 2.000 und 200 sogar weniger als 1.000 Einwohner. Kleinere Verwaltungsstrukturen haben sich als ineffizient erwiesen und sollten durch Fusionen optimiert werden.
Ein Beispiel für erfolgreiche kommunale Fusionen ist die Samtgemeinde Nordkehdingen im Landkreis Stade, die zum 1. November 2026 zu einer Einheitsgemeinde mit rund 7.000 Einwohnern verschmelzen wird. Auch in der Samtgemeinde Lühe wird bereits über eine ähnliche Fusion nachgedacht. Diese Maßnahmen könnten dazu beitragen, die personellen Engpässe und den Fachkräftemangel in den Kommunen zu verringern.

