Die Polizei in Nordrhein-Westfalen hat einen litauischen LKW-Fahrer wegen Sabotage-Verdachts durchsucht. Er soll mit einer versteckten Kamera am Bahnhof Minden militärische Transporte beobachtet haben.
Durchsuchung wegen Sabotage-Verdachts
In einer gezielten Polizeimaßnahme hat die Polizei am Dienstagmorgen in Detmold eine Durchsuchung bei einem litauischen LKW-Fahrer durchgeführt. Die Staatsanwaltschaft Dortmund bestätigte auf Anfrage von WDR und NDR, dass der Verdächtige in den Fokus der Ermittlungen geraten ist. Ihm wird vorgeworfen, verdächtige Aktivitäten für ausländische Mächte zu unternehmen, wobei die Sicherheitsbehörden auf einen möglichen Zusammenhang zu Russland hinweisen.
Entdeckung einer illegalen Kamera
Am 29. September 2025 wurde am Bahnhof Minden eine Kamera auf mehreren Metern Höhe entdeckt, die mit einem DB-Aufkleber versehen war, jedoch von der Deutschen Bahn nicht installiert wurde. Die Ermittlungen des Landeskriminalamtes führten zu einer Verbindung zwischen dem LKW-Fahrer und dieser Kamera. Die Durchsuchung soll nun weitere Hinweise über die Hintergründe der mutmaßlichen Agententätigkeit liefern. Die Unschuldsvermutung gilt selbstverständlich, während die Polizei die Aussage des Verdächtigen abwartet.
Bedeutung des Mindener Bahnhofs für die militärische Infrastruktur
Der Bahnhof Minden hat eine besondere strategische Bedeutung für die militärische Infrastruktur in Deutschland, insbesondere für die Bundeswehr und die britischen Streitkräfte. In unmittelbarer Nähe befindet sich die Herzog-von-Braunschweig-Kaserne, wo das deutsch-britische Pionierbrückenbataillon 130 stationiert ist. Diese Einheit ist die einzige in der NATO, die über das Schwimmbrückensystem M3 verfügt und somit in der Lage ist, Truppen schnell über Flüsse zu transportieren.
Die Entdeckung der Kamera, die in der Lage war, Live-Übertragungen per SIM-Karte zu senden und mit Nachtsicht ausgestattet war, weist auf eine ernstzunehmende Bedrohung hin. Sie war auf den Rangierbereich gerichtet, wo auch Bundeswehrtransporte abgewickelt werden. Ähnliche Vorfälle, bei denen Kameras an Verkehrswegen entdeckt wurden, sind bereits in Polen verzeichnet worden, wo mehrere Personen zu Haftstrafen verurteilt wurden.
Auf Nachfrage des WDR und NDR teilte das Bundesministerium der Verteidigung mit, dass aus sicherheitstechnischen Gründen keine weiteren Informationen zum Kamerafund bereitgestellt werden können. Die Bedeutung des Mindener Bahnhofs als Logistikdrehscheibe im Falle eines NATO-Einsatzes wird unterstrichen, da Deutschland als wichtiges Transitland für Militärtransporte fungiert.

