Beim WDR Europaforum hat der ehemalige Außenminister Joschka Fischer eindringlich an die Idee Europas appelliert. Er warnte vor den Gefahren des Nationalismus und äußerte seine Sicht auf die geopolitischen Herausforderungen der Gegenwart.
Appell an die Europäer
„Ich halte an der Idee Europa dickschädelig fest. Die Alternative ist Nationalismus – wohin der führt, haben wir erlebt“, erklärte Joschka Fischer am Mittwoch, 20. Mai, beim WDR Europaforum auf der re:publica in Berlin. Laut dem ehemaligen Außenminister könnte der Nationalismus dazu führen, dass die junge Generation ihre Zukunft aufs Spiel setze.
Kritik an der Russland-Politik
Auf die Frage von ARD-Moderator Louis Klamroth zum bislang gefahrenen Kurs der rot-grünen Koalition unter Gerhard Schröder in Bezug auf Russland, räumte Fischer Fehler ein. Er gesteht: „Wir haben zu wenig auf die Osteuropäer, die Ukrainer und die Balten gehört; da wurde mit einer gewissen Arroganz drüber hinweggegangen.“ Diese Einschätzung bringt die Herausforderungen und die Notwendigkeit eines tiefergehenden Dialogs zwischen den EU-Staaten zur Sprache.
Europäische Verantwortung im Ukraine-Konflikt
Fischer äußerte sich auch zur Rolle der USA im Ukraine-Krieg und sagte: „Donald Trump wird durch Putin eiskalt hinter die Fichte geführt.“ Gleichzeitig bemängelte er, dass die Europäer nicht stark genug oder einig genug seien. „Ich würde mir eine deutlich aktivere Rolle der Europäer wünschen – aber ohne Illusionen,“ betonte er. Diese Aussagen verdeutlichen die Notwendigkeit für ein vereintes Europa, das aktiver auf internationaler Ebene handelt.
Bezüglich der Reaktion von Bundeskanzler Friedrich Merz auf Drohungen des US-Präsidenten Donald Trump betonte Fischer, dass eine klare Positionierung gegen die „Auslöschung einer Zivilisation“ durch einen Nuklearkrieg unverzichtbar sei.
Fischer führte weiter aus, dass die Zukunft Europas von einer Generation abhängt, die eine fortschrittliche Entwicklung unterstützt und nicht auf die „Schalmeienklänge der Nationalisten“ hereinfällt. Er fragte rhetorisch: „Wo wären wir heute ohne den Euro? Wo wären wir ohne gemeinsames Recht? Wo wären wir, wenn wir nicht in eine gemeinsame Verteidigungsunion gehen würden?“ Diese Fragen zeigen, dass trotz aller Krisen Optimismus für eine vereinte europäische Zukunft herrscht.
Die Veranstaltung mit dem Titel „Suche nach dem Silberstreif – Europa und die Polykrise“ stellte die Herausforderungen dar, denen Europa gegenübersteht, und zeigte auf, inwiefern europäische Integration als Lösung dienen kann. Das gesamte Interview mit Joschka Fischer ist in der ARD Mediathek abrufbar. Das WDR Europaforum fand vom 18. bis 20. Mai 2026 statt und beschäftigte sich unter dem Motto „Hard Times, Soft Power – Europas Rolle in der Weltunordnung“ mit den aktuellen geopolitischen Herausforderungen.

