Aktuell erleben Spaziergänger in Wäldern und Parks überraschende Luftangriffe von Rabenkrähen. Diese aggressiven Manöver sind Teil der Verteidigungsstrategie der Vögel, die ihre Küken vor Gefahren schützen möchten.
Rabenkrähen im Brutgeschäft
In der Brutzeit kümmern sich Rabenkrähen intensiv um ihre Küken. Wenn die kleinen Vögel im Nest sitzen oder gerade flügge werden, stehen sie im Fokus ihrer fürsorglichen Eltern. Rabenkrähen können sogar Situationen, in denen Passanten, insbesondere solche mit Hunden, in die Nähe ihrer Küken kommen, schnell als Bedrohung wahrnehmen. „Freilaufende Hunde und Katzen, sowie Raubtiere wie Füchse, Marder und Greifvögel stellen eine Gefahr für die noch flugunfähigen Küken dar“, erklärt Jenifer Calvi von der Deutschen Wildtier Stiftung.
Täuschungsangriffe aus der Luft
Die Luftangriffe, die viele Spaziergänger beeindruckend finden, sind in Wahrheit kreative Täuschungsmanöver. Rabenkrähen zielen darauf ab, potenzielle Gefahren abzuschrecken, wollen jedoch nicht aktiv Menschen verletzen. Kleinere Tiere können aber durchaus mit starken Schnabelattacken in Gefahr geraten. Zudem haben Rabenkrähen ein erstaunliches Gedächtnis: Sie können sich Gesichter merken und überwachen verdächtige Personen über längere Zeiträume.
Verhalten in der Nähe von Krähen
Um Konflikte zu vermeiden, empfiehlt Calvi, bei der Annäherung an einen Rabenkrähennest ruhig zu bleiben. „Es reicht oft aus, die Straßenseite zu wechseln, um die aufmerksamen Vögel zu besänftigen“, so die Expertin. Dabei ist es wichtig, den eigenen Standort zu ändern, ohne die Küken in ihrer Nähe zu stören. Das Bundesnaturschutzgesetz schützt Nester und Küken während dieser Zeit stark, und eine Störung ist nicht zulässig.
Bis Anfang Juli sind junge Rabenkrähen oft unter dem schützenden Blick ihrer Eltern zu sehen. Nach dieser Zeit erreichen die Küken die Selbstständigkeit und schließen sich in sogenannten Junggesellentrupps zusammen. Diese dynamischen Gruppen bilden die Basis für die Gründung eigener Familien im Alter von zwei bis drei Jahren.
Rabenkrähen und ihre Verwandten
Mit bis zu einer Million Brutpaaren hat sich der Bestand der Rabenkrähen in Deutschland stabil entwickelt und tendiert sogar zur Zunahme. Als Teil der Rabenvögel haben sie bemerkenswerte Verwandte. Dazu zählen unter anderem die Saatkrähe mit ihrem hellen Schnabel, die Alpenkrähe mit dem roten, gebogenen Schnabel sowie die Nebelkrähe, die in Osteuropa weit verbreitet ist. Interessanterweise zählen auch Elstern, Eichelhäher und Tannenhäher zur Familie der Rabenvögel. Die Dohle gehört zu den kleinsten Verwandten, während der Kolkrabe als der größte Singvogel der Welt gilt.

