Essstörungen beeinträchtigen nicht nur die Betroffenen, sondern auch ihr Umfeld. Angehörige stehen oft vor Herausforderungen und wissen nicht, wie sie helfen können. Anhand ihres neuen Angebots erklärt Anna-Lena Kaufmann, wie Unterstützung gelingt, ohne selbst zu zerbrechen.
Herausforderungen für Angehörige von Betroffenen
Wenn ein Angehöriger an einer Essstörung leidet, geraten Verwandte und enge Freunde häufig in eine emotionale Achterbahnfahrt. Oft beginnen diese Herausforderungen schleichend: Mahlzeiten werden ausgelassen, Gespräche drehen sich zunehmend um Gewicht und Essen, und gewohnte Routinen verschwinden. Die Unsicherheit und Anspannung, die damit einhergehen, sind für Angehörige überwältigend. Oft bemühen sie sich, zu helfen, doch ihre gut gemeinten Ratschläge erzielen nicht den gewünschten Effekt und führen zu einer zusätzlichen Belastung für beide Seiten.
Der Weg zu besserem Verständnis
Die Kinder- und Jugendpsychotherapeutin Anna-Lena Kaufmann betont, dass es gerade für Angehörige entscheidend ist, ein besseres Verständnis für das Verhalten von Personen mit Essstörungen zu entwickeln. Mit über 20 Jahren Erfahrung in der Therapie von Jugendlichen kennt sie die Herausforderungen, mit denen Familien konfrontiert sind. Gemeinsam mit Psychologin Tamara Scherer hat Kaufmann das Angebot „essstoerungen.verstehen“ entwickelt, das Angehörigen konkrete Hilfen für den Alltag bietet. Es ist darauf ausgelegt, den Angehörigen die Angst vor übersteigertem Druck zu nehmen und eine Perspektive zu bieten, dass Heilung möglich ist, auch wenn sie Zeit in Anspruch nimmt.
Eigenes Wohl ist die Grundlage für Unterstützung
Ein oft übersehener Aspekt in der Unterstützung von Betroffenen ist das eigene Wohlbefinden der Angehörigen. Viele fühlen sich unter Druck, ständig für die Betroffenen da zu sein, was sie emotional erschöpfen kann. Kaufmann betont, dass es wichtig ist, auch auf sich selbst zu achten. Nur wer sich selbst stabil und ausgeglichen fühlt, kann wirklich helfen. Sich Zeit für sich selbst zu nehmen und die eigenen Bedürfnisse wahrzunehmen, ist deshalb unerlässlich. Das Angebot „essstoerungen.verstehen“ bietet dafür nicht nur Informationen, sondern auch einen Austausch mit anderen Angehörigen, um Sicherheit und Gemeinsamkeit zu fördern.

