Marco van der Kraan: „Ich fühle mich stolz, in Deutschland zu wohnen“

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Manche Menschen haben eine Leidenschaft, die ihre gesamte Biografie durchzieht. Bei Marco van der Kraan ist es die deutsche Sprache. Seit 1997 unterrichtet der Niederländer Deutsch, wohnt heute in Deutschland und fühlt sich dem Land tief verbunden. Ein Gespräch über Sprache, Grenzen und die Frage, was Disziplin mit Zuneigung zu tun hat.

Aus Rotterdam in die Welt der deutschen Sprache

Aufgewachsen ist Marco van der Kraan in Rotterdam, weit entfernt vom deutsch-niederländischen Grenzgebiet rund um Coevorden, Hardenberg und Nordhorn. Dennoch hat ihn die deutsche Sprache früh fasziniert. „Ich war sehr gut in Französisch, Englisch und Deutsch, Geschichte und Niederländisch“, erzählt er. Dazu kommt, was er selbst als entscheidende Eigenschaft beschreibt: „Ich bin ein Menschen-Mensch. Sozialfähig.“

1997 begann er als Deutschlehrer und Klassenlehrer, seit 2008 unterrichtet er auch Englisch. Was ihn bis heute antreibt: „Teenagers brauchen uns. Wir brauchen Teenager.“ Eine Haltung, die erklärt, warum er das Unterrichten nicht nur als Beruf, sondern als wechselseitigen Lernprozess begreift. „Ich habe auch immer studiert und viel von den Jugendlichen gelernt.“

Im Grenzgebiet angekommen

Seitdem er in Deutschland lebt, hat Marco van der Kraan hier Freundschaften geknüpft und sich schnell heimisch gefühlt. Was schätzt er an den Menschen in der Region? „Die haben mehr Ordnung, Disziplin und können gut antizipieren, das mag ich gern.“ Vorurteile gegenüber Deutschen, wie er sie aus dem Westen der Niederlande kennt, begegnen ihm im Grenzgebiet kaum. „Nicht im Grenzgebiet so sehr. Im Westen der Niederlande gibt es mehr Vorurteile.“

Bekannte sagen ihm, er sei inzwischen mehr Deutsch als mancher Deutsche. „Das schätze ich sehr“, sagt er dazu schlicht.

Kommunikation vor Grammatik

Als Sprachlehrer mit langjähriger Erfahrung hat Marco van der Kraan eine klare Meinung darüber, wo Niederländer beim Deutschlernen oft scheitern. „Die Sprachfertigkeit. Niederländer betonen die Grammatik, aber es geht um Kommunikation. Mehr sprechen, hören, sprechen.“ Grammatikregeln seien wichtig, aber ohne aktive Anwendung bleibe die Sprache abstrakt.

Typische Missverständnisse zwischen Deutsch und Niederländisch sieht er im Grenzgebiet selbst weniger. Die Nähe beider Kulturen und die alltägliche Begegnung sorgen für gegenseitiges Verständnis.

Digitaler Wandel im Klassenzimmer

Wie fast überall hat sich auch der Sprachunterricht in den vergangenen Jahren verändert. „Mehr mit dem Device, Laptop oder Handy, weniger schreiben“, beschreibt Marco van der Kraan den Wandel nüchtern. Die Nachfrage nach Deutschkursen bleibt, die Werkzeuge verändern sich.

Eine deutliche Sprache

Was liebt er an der deutschen Sprache und Kultur? „Disziplin, und ich fühle mich stolz, in Deutschland zu wohnen. Ich mag die Geschichte und Kultur und das ganze Land.“ Und dann fügt er etwas hinzu, das vielleicht das Schönste an seiner Geschichte ist: „Deutsch ist auch eine deutliche Sprache.“

Ein Satz, der viel sagt. Über die Sprache. Und über den Mann, der ihr sein Berufsleben gewidmet hat.

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