Das größte Einfallstor für Cyberkriminelle steckt heute oft in der Hosentasche

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Digitale Realität

Online-Banking, Fotos, Gesundheitsdaten, Passwörter und oft auch die Zwei-Faktor-Authentifizierung für andere Konten: Kaum ein Gegenstand bündelt heute so viel vom eigenen digitalen Leben wie das Smartphone. Genau das macht es laut Benjamin Richter, Geschäftsführer der auf Informationssicherheit spezialisierten Cyber Complete GmbH, zu einem der attraktivsten Ziele für Cyberkriminelle überhaupt. Im Gespräch erklärt er, welche Tricks Betrüger derzeit am häufigsten nutzen, warum ausgerechnet unterwegs die Vorsicht oft nachlässt und mit welchen wenigen Handgriffen sich das eigene Handy spürbar sicherer machen lässt.

Dass Cyberkriminalität längst nicht mehr nur ein Thema für Unternehmen ist, sondern jeden im Alltag betreffen kann, zeigt sich für Richter immer wieder in Gesprächen mit Privatpersonen. Viele wüssten gar nicht, wie viele sensible Informationen tatsächlich auf ihrem Smartphone gespeichert sind und wie leicht sich manche Angriffe mit ein paar einfachen Gewohnheiten verhindern lassen. Genau deshalb war es ihm im Gespräch wichtig, nicht nur die Gefahren zu benennen, sondern auch ganz konkrete, alltagstaugliche Schutzmaßnahmen mitzugeben.

Warum das Handy zum Lieblingsziel wird

„Das Smartphone begleitet uns praktisch rund um die Uhr. Genau deshalb ist es heute eines der attraktivsten Ziele für Cyberkriminelle“, sagt Richter. Früher seien Computer meist nur zu Hause oder im Büro genutzt worden. Heute liefen über das Smartphone Online-Banking, Messenger, E-Mails, Gesundheitsdaten, Fotos, Passwörter, digitale Identitäten, häufig auch der Zugriff auf Cloud-Dienste und sogar die Zwei-Faktor-Authentifizierung für andere Konten. „Damit wird ein einziges Gerät zum Schlüssel für einen großen Teil unseres digitalen Lebens“, so der Sicherheitsexperte.

Hinzu komme, dass viele Menschen ihr Smartphone deutlich unkritischer nutzen als ihren Computer. Nachrichten werden unterwegs gelesen, Links spontan geöffnet, Apps installiert, ohne groß über mögliche Risiken nachzudenken. „Cyberkriminelle wissen das sehr genau. Deshalb entwickeln sie ihre Angriffe gezielt für mobile Geräte“, warnt Richter.

Phishing, Smishing und der Betrug per QR-Code

Die meisten Angriffe beginnen laut Richter gar nicht mit hochkomplexer Schadsoftware, sondern mit einer Nachricht, die zunächst völlig harmlos aussieht. Besonders häufig seien Phishing per E-Mail, Smishing über SMS und gefälschte Nachrichten in Messenger-Diensten. Hinzu kämen manipulierte Login-Seiten sowie schädliche Apps, die deutlich mehr Berechtigungen verlangen, als sie eigentlich benötigen. „Besonders sogenannte Quishing-Angriffe mit manipulierten QR-Codes werden häufig unterschätzt“, so Richter. Eine SMS vom Paketdienst, ein QR-Code auf dem Parkplatz oder eine vermeintliche Nachricht der Hausbank wirken zunächst normal, gerade weil man unterwegs ist und schnell reagieren möchte. „Genau diesen Moment nutzen Cyberkriminelle aus“, sagt er. Bei QR-Codes komme erschwerend hinzu, dass man vor dem Öffnen meist nicht erkennen kann, welche Internetseite sich eigentlich dahinter verbirgt. Ob am Ladesäulen-Aufkleber, auf der Speisekarte im Restaurant oder auf einem vermeintlichen Bußgeldbescheid am Auto, überall dort, wo QR-Codes im Alltag längst selbstverständlich geworden sind, lässt sich mit wenig Aufwand ein gefälschter Code platzieren.

Typische Fehler im Alltag

Die meisten Fehler entstünden nicht aus Unwissenheit, sondern aus Gewohnheit, beobachtet Richter. Viele Nutzerinnen und Nutzer verschieben Sicherheitsupdates auf ihrem Android-Smartphone oder iPhone, verwenden einfache Passwörter, installieren Apps aus unbekannten Quellen oder klicken auf Links, ohne den Absender genau zu prüfen. Hinzu komme, dass viele ihr Smartphone nie aufräumen: Alte Apps bleiben installiert, Berechtigungen werden nicht kontrolliert, Sicherheitsfunktionen bleiben ungenutzt. Dabei reichten oft wenige Minuten, um das eigene Gerät deutlich sicherer zu machen.

Wenn die Taschenlampen-App zu viel wissen will

Auch das Thema App-Berechtigungen wird nach Richters Erfahrung unterschätzt, und zwar deutlich. Jede installierte App erhalte bestimmte Zugriffsrechte, manche notwendig, andere nicht. „Wenn eine Taschenlampen-App Zugriff auf Kontakte, Mikrofon oder Standort verlangt, sollte das misstrauisch machen“, rät er. Je mehr Berechtigungen eine App erhalte, desto größer sei im Ernstfall der mögliche Schaden. Es lohne sich deshalb, regelmäßig die App-Berechtigungen und den Datenschutz der installierten Anwendungen zu überprüfen, statt sie einmal bei der Installation abzunicken und nie wieder anzuschauen. Ein kurzer Blick in die Sicherheitseinstellungen des Smartphones, einmal im Monat, genügt nach Richters Erfahrung bereits, um die gröbsten Altlasten aufzuspüren: vergessene Apps, die längst nicht mehr genutzt werden, aber weiterhin Zugriff auf Standort oder Kontakte haben.

Wenn Betrugsversuche kaum noch zu erkennen sind

Auch die Bedrohungslage selbst verändert sich, vor allem durch den Einsatz künstlicher Intelligenz. „KI macht Angriffe vor allem glaubwürdiger und schneller“, erklärt Richter. Texte enthielten heute deutlich weniger Rechtschreibfehler, Nachrichten ließen sich personalisieren, und Betrugsversuche wirkten insgesamt professioneller als noch vor wenigen Jahren. Dadurch werde es schwieriger, echte von gefälschten Nachrichten zu unterscheiden. „Die wichtigste Schutzmaßnahme bleibt deshalb Aufmerksamkeit“, sagt er. Wer misstrauisch bleibt, wenn eine Nachricht zur Eile drängt oder ungewöhnliche Links enthält, ist damit oft schon einen entscheidenden Schritt weiter als jede technische Filtersoftware allein.

Vier einfache Maßnahmen für mehr Sicherheit

Zum Abschluss fasst Richter zusammen, worauf es aus seiner Sicht wirklich ankommt, und nennt bewusst vier statt der oft zitierten drei Maßnahmen:

  • Sicherheitsupdates immer zeitnah installieren.
  • Zwei-Faktor-Authentifizierung überall aktivieren, wo sie angeboten wird.
  • Vor jedem Klick kurz überlegen, ob Nachricht, Link oder QR-Code wirklich plausibel sind.
  • Zusätzlich eine Displaysperre per Biometrie oder PIN aktivieren und Apps ausschließlich aus offiziellen App-Stores installieren.

„Diese vier Maßnahmen verhindern bereits einen großen Teil aller alltäglichen Angriffe“, ist Richter überzeugt. Wer sein Smartphone auf diese Weise schützt, schützt damit nach seinen Worten nicht nur ein einzelnes Gerät, sondern einen großen Teil der eigenen digitalen Identität.

Sein Fazit aus vielen Beratungsgesprächen: Die wenigsten Angriffe scheitern an ausgeklügelter Technik auf Nutzerseite, sondern schlicht daran, dass jemand einen Moment innehält, bevor er auf einen Link klickt oder einen QR-Code scannt. Genau dieses kurze Innehalten, sagt Richter, sei der wirksamste und gleichzeitig günstigste Schutz, den es gebe.

Zur Person

Benjamin Richter ist Geschäftsführer der Mobile Complete Group aus Schmallenberg, die Privatpersonen und Unternehmen zu Informationssicherheit berät, sowie der neu gegründeten Mobile Complete Group, die sich auf mobile Sicherheitslösungen spezialisiert.

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