Wenn Bürokratie Menschen lähmt: Dr. Alexander Raabs Idee für einen guten Umgang mit Bürokratie

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Digitale Realität

Gelbe Briefe, die sich ungeöffnet stapeln, Fristen, die verstreichen, weil der Papierkram längst unübersichtlich geworden ist: Genau an diesem Punkt will Dr. Alexander Raab ansetzen. Der Fachanwalt für Insolvenz- und Sanierungsrecht aus Fürth trägt seit Langem die Idee eines Zentrums mit sich, das Menschen einen guten Umgang mit Bürokratie ermöglichen soll, gerade dann, wenn Behördenpost, Schulden oder komplizierte Anträge sie überfordern. Über LinkedIn kamen wir ins Gespräch, und Dr. Raab hat sich die Zeit genommen, seine Gedanken dazu ausführlich zu beantworten. Wichtig ist ihm dabei eine Einschränkung gleich vorweg: Er steht mit dieser Idee noch am Anfang. Hauptberuflich arbeitet er weiterhin in einer wirtschaftsrechtlichen Kanzlei, in der wie in den meisten Wirtschaftsbranchen das Monetäre im Vordergrund steht. Genau aus diesem Spannungsfeld heraus ist seine Vision entstanden.

Eine Aufgabe, die er seit Kindheit spürt

Auf die Frage, woher der Antrieb für ein solches Projekt kommt, antwortet Dr. Raab sehr persönlich: Es sei für ihn schlicht Aufgabe, „da ich so ticke“. Seit seiner Kindheit spüre er in unterschiedlichsten Situationen, dass ihm das Wohl wirklich hilfsbedürftiger Menschen am Herzen liegt, seien es emotional angeschlagene Menschen oder solche, die mit Bürokratie und Papierkram schlicht überfordert sind. Inzwischen hat er eigenen Angaben zufolge bereits einige Mitstreiterinnen und Mitstreiter gefunden, die eine ähnliche Vision einer „Kanzlei“ teilen, in der es nicht nur um rechtliche Themen geht, sondern in der wirkliches Unterstützen im Vordergrund steht.

Wenn der Briefkasten zum Symbol der Überforderung wird

Wie genau sich diese Überforderung zeigt, kennt Dr. Raab aus insolvenznahen Situationen, auch wenn das nicht das einzige Betätigungsfeld des geplanten Zentrums sein soll. Menschen seien von der schieren Menge an Anfragen und Schreiben überfordert, sodass sie irgendwann gar nicht mehr reagieren. So stauen sich nach und nach gelbe Briefe und weitere Post im Briefkasten. „Da die Menschen so den Wald vor lauter Bäumen nicht sehen, fehlt verständlicherweise der Antrieb, überhaupt damit zu beginnen“, beschreibt er den Teufelskreis, aus dem viele Betroffene allein kaum herausfinden.

Warum es aus seiner Sicht mehr braucht als klassische Rechtsberatung

Im klassischen Anwaltssegment gehe es, wie in den meisten Wirtschaftsbranchen, vorwiegend um das Monetäre, sagt Dr. Raab, auch wenn er betont, dass das nicht auf alle Kolleginnen und Kollegen zutreffe und viele selbst vom System eingebremst würden. Zunächst müssten ausreichend Stunden „verkauft“ sein, ob das dem betroffenen Menschen tatsächlich weiterhilft, sei dabei in vielen Fällen zweitrangig. Genau hier soll sein Zentrum ansetzen: Es soll Bedürftigen helfen, mit dem Papierkram besser zurechtzukommen, und ihnen etwa dabei helfen, mögliche finanzielle Ansprüche überhaupt erst zu erkennen, etwa Entschädigungsansprüche gegen den Staat nach häuslicher Gewalt. Dass auch ein solches Zentrum eigene Kostenstellen und damit eine Finanzierung braucht, ist ihm bewusst. Er sei aber zuversichtlich, mit seinem Team dafür tragfähige Lösungen zu finden, um den beschriebenen Anspruch tatsächlich vorzuleben.

Klarheit statt Schönreden, gerade in der Krise

Ein zentrales Element seiner Haltung ist die Art der Kommunikation in schwierigen Situationen. Klare Ansagen seien in der Krise entscheidend, so Dr. Raab, denn oft scheitere die Bewältigung einer Krise gerade an allgemeinen, nichtssagenden Aussagen. Für ihn schließen sich Klarheit und Freundlichkeit dabei nicht aus. „Klarheit muss nicht unfreundlich sein. Ganz im Gegenteil, erst durch Klarheit und Freundlichkeit kommen wir selbst in die Umsetzung und können bei Menschen Räume öffnen, um in die Umsetzung zu kommen“, sagt er.

Konkret bedeutet das für ihn, den Menschen „reinen Wein“ einzuschenken. Er kenne viele in der Rechtsbranche, die nur nach dem Mund reden, aus Angst, ein Mandat zu verlieren. Steht beispielsweise kurz vor knapp ein Insolvenzantrag an, helfe Schönreden niemandem weiter. Wichtig sei, den Betroffenen die Dringlichkeit der Lage aufzuzeigen, direkt im Anschluss aber auch eine Perspektive zu erarbeiten, etwa eine Sanierung im Insolvenzverfahren. Genau diese Kombination aus Klarheit und Empathie sei es, die einen Menschen nahbar mache und Klientinnen und Klienten wirklich nutzbare Wege aufzeige.

Authentisch bleiben, ohne auszubrennen

Auf die Frage, wie er selbst diese Haltung im Alltag durchhält, antwortet Dr. Raab fast schon programmatisch schlicht: indem er genauso handelt, wie er spricht, und nicht nur davon redet. Wer das tue, was er wirklich gut könne, öffne automatisch Räume für andere Menschen und begegne ihnen respektvoll und auf Augenhöhe, ohne lange darüber nachzudenken. Dann gebe es auch keinen Stress, der einen aus der Bahn wirft, sondern nur noch sinnvolle Aufgaben, sagt er.

Der Rat für den ersten Schritt: klein anfangen

Für alle, die selbst gerade unter einem Berg unerledigter Aufgaben oder Papiere stecken, hat Dr. Raab einen pragmatischen Rat: immer mit kleinen Schritten anfangen. Wer sich vornehme, alle unsortierten Ordner auf einmal zu sortieren, werde damit scheitern. Besser sei es, sich zunächst eine Mind-Map oder eine Notiz zu machen, was gerade wichtig ist, und dann den ersten kleinen Schritt zu gehen, ohne ihn auf morgen zu verschieben. „So banal dies auch klingen mag“, fügt er selbst hinzu, mit dem Hinweis, dass genau diese Banalität oft der eigentliche Knackpunkt ist.

Ein Projekt, das noch am Anfang steht

Einen fertigen Businessplan oder ein Gründungsdatum kann Dr. Raab derzeit noch nicht nennen, und genau das betont er selbst als wichtigen Fakt, bevor er auf die Fragen einging. Was zählt, ist zunächst die Haltung dahinter: ein Zentrum, das nicht das System der Bürokratie an sich verändern will, das hält er kurzfristig ohnehin nicht für möglich, sondern Menschen einen besseren, menschlicheren Umgang damit ermöglicht. Rechtliche Fragen sollen dabei nur einen Teil abdecken, am Rande gehe es auch um steuerliche und, wie er es nennt, psychologische Aspekte im Sinne echter emotionaler Begleitung, etwa bei einer Schuldenbereinigung. Ob und wann aus dieser Idee eine feste Organisation mit eigenem Namen wird, ließ er im Gespräch offen. Für Rückfragen und Rückmeldungen zur weiteren Entwicklung des Projekts steht Dr. Raab über seine Kanzlei in Fürth zur Verfügung.

Hinweis: Dieser Beitrag gibt die persönlichen Einschätzungen von Dr. Alexander Raab sowie die redaktionelle Einordnung der Redaktion wieder. Die beschriebene Initiative befindet sich nach Angaben des Interviewpartners noch in einer frühen Aufbauphase. Der Artikel stellt keine Rechts- oder Steuerberatung dar und ersetzt nicht die individuelle Beratung durch eine qualifizierte Rechtsanwältin, einen qualifizierten Rechtsanwalt oder eine Steuerberatung.

Zur Person

Dr. Alexander Raab ist Rechtsanwalt und Fachanwalt für Insolvenz- und Sanierungsrecht in einer wirtschaftsrechtlichen Kanzlei mit Sitz in Fürth (Hallstraße 9, 90762 Fürth). Neben seiner hauptberuflichen Tätigkeit arbeitet er an der Vision eines Zentrums, das hilfsbedürftigen Menschen einen guten Umgang mit Bürokratie ermöglichen soll.

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