Manche Unternehmensgeschichten beginnen mit einem Businessplan. Diese hier beginnt mit einem fehlenden Rüttler. Als ein Bekannter im Raiffeisen-Markt vor Ort keinen mehr zur Miete bekam, weil die Nachfrage zu groß war, half Andre Golla kurzerhand aus. Was als einmalige Gefälligkeit gedacht war, wurde zum Ausgangspunkt für Mietshop24, einen Baumaschinen- und Gartengeräteverleih in Beesten. Im Gespräch erzählt er, wie aus einer Nachricht im Freundeskreis ein Unternehmen wurde, warum die Liebe ihn überhaupt erst nach Beesten brachte, und welche Fehler er bei angehenden Gründerinnen und Gründern immer wieder beobachtet.
Der Rüttler, der alles ins Rollen brachte
Am Anfang stand keine Marktanalyse, sondern eine Nachricht auf dem Handy. „Spätestens als Kunden unseres ortsansässigen Raiffeisen-Marktes dort aufgrund der hohen Nachfrage keinen Rüttler zur Miete bekommen konnten, wuchs in meinem Kopf die Idee“, erinnert sich Andre. Aus einer Anfrage wurden zwei, aus zwei wurden fünf. „Irgendwann hatte ich mehr Nachrichten auf meinem Handy als manche Influencer, allerdings ging es bei mir weniger um Selfies, sondern um Baumaschinen und Gartengeräte“, sagt er und lacht. Den Punkt, an dem aus der Gefälligkeit mehr werden könnte, hat er dabei nicht an einem einzelnen Tag festgemacht, sondern an der schieren Menge der Anfragen, die irgendwann von selbst eine Richtung vorgaben.
Der Mut, den ersten Schritt zu gehen
Viele Menschen mit einer guten Idee kommen nie über die Idee hinaus. Andre hat sich dagegen entschieden, weiter nur informell auszuhelfen, und sein Gewerbe angemeldet, obwohl längst nicht alles bis ins Detail durchdacht war. „Die meisten Unternehmen entstehen sicherlich nicht, weil alles perfekt vorbereitet war, sondern eher, weil jemand den Mut hatte, den ersten Schritt zu gehen“, sagt er dazu rückblickend. Diese Haltung, lieber anzufangen als endlos zu planen, zieht sich durch das gesamte Gespräch mit ihm.
Der Liebe wegen nach Beesten
Dass Mietshop24 ausgerechnet in Beesten entstand, hat einen sehr persönlichen Grund: Andre ist der Liebe wegen dorthin gezogen. Im Rückblick sieht er im stabilen privaten Umfeld einen der wichtigsten Erfolgsfaktoren für seine Selbstständigkeit überhaupt. „Es gibt Tage, an denen läuft alles super, und es gibt Tage, da fragt man sich, warum man sich das eigentlich antut. Dann ist es Gold wert, Menschen hinter sich zu haben, die einen motivieren, ehrlich sind und auch mal sagen: Mach weiter, das wird schon“, beschreibt er diese Unterstützung. Mit einem Augenzwinkern fügt er hinzu: „Liebe ist manchmal eben die beste Unternehmensberatung.“
Ehrliche Beratung statt schnellem Umsatz
Vom ersten vermieteten Gerät bis zum heutigen Mietpark war es kein gerader Weg. Eine Haltung hat sich für Andre dabei aber als Konstante herausgestellt: lieber ehrlich beraten als schnell verkaufen. „Wer ehrlich berät, zuverlässig ist und auch mal sagt: Das brauchen Sie gar nicht, erzielt an diesem Tag vielleicht nicht den größten Gewinn, aber oft einen Kunden und vielleicht sogar einen Freund fürs Leben“, sagt er. Diese Entscheidungen, kurzfristig auf Umsatz zu verzichten, um langfristig Vertrauen aufzubauen, hätten sein Unternehmen nach eigener Einschätzung am meisten geprägt.
Die zwei großen Fehler auf dem Weg in die Selbstständigkeit
Gefragt nach den Fehlern, die er bei anderen Gründerinnen und Gründern immer wieder sieht, nennt Andre zwei, die sich in der Praxis häufig abwechseln. „Der erste große Fehler: Man muss einfach anfangen“, sagt er. „Der nächste große Fehler: zu schnell aufgeben. Erfolg sieht von außen oft nach einer geraden Linie aus. Von innen fühlt er sich eher wie eine Achterbahnfahrt an.“ Wer diese Talfahrten nicht einplant, gibt seiner Erfahrung nach oft genau dann auf, wenn der nächste Aufschwung eigentlich schon näher ist, als es sich in dem Moment anfühlt.
Drei Ratschläge für die nächste gute Idee
Zum Abschluss des Gesprächs bringt Andre seine Erfahrung auf drei knappe Ratschläge für alle, die selbst mit einer kleinen Geschäftsidee liebäugeln. Erstens: „Fang an. Nicht morgen, sondern heute. Perfekte Zeitpunkte gibt es nicht. Der beste Zeitpunkt ist meistens früher, als man denkt.“ Zweitens: „Hör deinen Kunden besser zu als deinem eigenen Ego. Kunden verraten dir oft kostenlos, wie dein Unternehmen besser werden kann, wenn man bereit ist, wirklich zuzuhören.“ Drittens: „Hab Geduld. Jeder kleine Schritt bringt dich weiter.“
Einen vierten, persönlichen Rat schiebt er noch hinterher: „Vergiss bei allem Unternehmertum nie den Spaß an der Sache. Wer jeden Morgen gerne aufsteht, hat oft schon mehr erreicht als jemand, der nur den Kontostand im Blick hat.“ Vom fehlenden Rüttler bis zum eigenen Mietpark in Beesten zeigt Andres Geschichte vor allem eines: Unternehmerischer Erfolg beginnt selten mit einem fertigen Plan, sondern häufiger mit der Bereitschaft, eine einfache Anfrage aus dem Freundeskreis ernst zu nehmen.
Zur Person
Andre Golla ist Gründer von Mietshop24 in Beesten im Emsland. Was mit einzelnen Gefälligkeiten für Freunde und Bekannte begann, ist heute ein Verleih für Baumaschinen und Gartengeräte. Der Liebe wegen nach Beesten gezogen, hat er dort sein Unternehmen von Grund auf selbst aufgebaut.

