In Osnabrück lebten 2024 elf Prozent der Menschen von Leistungen der sozialen Mindestsicherung. In Niedersachsen waren es 8,8 Prozent, bundesweit 8,7. Die Zahl steht im ersten Lebenslagenbericht, den die Stadt jetzt vorgelegt hat, und sie ist laut Bericht für eine Großstadt nicht ungewöhnlich.
Auf 193 Seiten trägt der Bericht zusammen, was über die Lebenssituation der Osnabrückerinnen und Osnabrücker aus Statistiken abzulesen ist. Verfasst haben ihn mehrere Fachbereiche und Referate der Stadt unter Federführung der integrierten Sozialplanung, der Datenstand reicht bis Mai 2026 zurück und bei manchen Reihen bis 2015.
Was der Bericht misst
Der Blick richtet sich auf die Faktoren, die soziale Ungleichheit beeinflussen: Einkommen und Erwerbstätigkeit, Wohnen, Gesundheit, Bildung und Betreuung, Jugendhilfe sowie gesellschaftliche und demokratische Teilhabe. Anders als die bisherigen Einzelberichte der Stadt, etwa die Kita-Planung oder die Pflegeberichte, stellt der Lebenslagenbericht diese Themen nebeneinander und fragt, wie sie zusammenwirken.
Der Befund, der sich durch fast alle Kapitel zieht: Die Kennzahlen sind innerhalb der Stadt sehr ungleich verteilt. Wie es Menschen geht, hängt in Osnabrück messbar davon ab, in welchem Stadtteil sie wohnen.
Kinder sind deutlich häufiger betroffen
Bei Kindern fällt die Armut noch stärker aus als in der Gesamtbevölkerung. Von den 21.383 Kindern unter 15 Jahren bezogen 2024 nach Angaben des Berichts 3.856 Leistungen nach dem SGB II, das sind 18 Prozent oder fast jedes fünfte Kind.
Als Risikogruppen nennt der Bericht außerdem Frauen, weil eine höhere Teilzeitquote das Armutsrisiko im Alter erhöht, sowie Menschen ohne abgeschlossene Berufsausbildung, die überdurchschnittlich häufig arbeitslos sind.
Was die Stadt daraus ableiten will
Viele der beschriebenen Probleme lassen sich kommunal nicht lösen, die sozialen Sicherungssysteme sind Sache von Bund und Land. Der Bericht setzt deshalb auf das, was die Stadt selbst beeinflussen kann: niedrigschwellige Zugänge zu Leistungen, Ansprechpartner direkt im Quartier und Angebote zur Teilhabe vor Ort. Das Quartier bezeichnet der Bericht als wichtigste Handlungsebene.
Künftig will die Sozialplanung neben dem großen Bericht kürzere, anlassbezogene Auswertungen zu einzelnen Themen oder Stadtteilen veröffentlichen.
Zur Serie
Dieser Beitrag ist der Auftakt einer zehnteiligen Serie, in der wir den Lebenslagenbericht Kapitel für Kapitel auswerten: Armut nach Stadtteilen, Kinderarmut, Kitas, Schule, Gesundheit, Sterbealter, Wohnen, Pflege und die Handlungsoptionen der Stadt.

