Vor der Einschulung untersucht der Kinder- und Jugendgesundheitsdienst jedes Kind. Für den Jahrgang 2025 waren das in Osnabrück 1.429 Kinder. 1.316 von ihnen, gut 92 Prozent, konnten ein Untersuchungsheft vorlegen. Auf dieser Grundlage lässt sich nachvollziehen, wer an der U8 teilgenommen hat, der Vorsorgeuntersuchung rund um den vierten Geburtstag.
Stadtweit waren es 91,9 Prozent. Aufgeschlüsselt nach dem Bildungsgrad der Eltern zeigt sich ein deutlicher Abstand: Bei Eltern mit hohem Bildungsabschluss nahmen 96,5 Prozent der Kinder teil, bei mittlerem Abschluss 91,3 und bei niedrigem Bildungsgrad 83,9 Prozent. Mindestens 106 Kinder wurden gar nicht zur U8 vorgestellt.
Karies folgt demselben Muster
Noch klarer wird die Ungleichheit bei den Zähnen. In den Kitas hat im Schnitt jedes fünfte Kind bereits eine Karieserfahrung, in den Grundschulen sind es 41 Prozent.
Zwischen den Stadtteilen klaffen Lücken: In Hafen, Pye, Widukindland, Wüste, Westerberg, Hellern und Weststadt liegt der Anteil der Kita-Kinder mit Karieserfahrung bei etwa 15 Prozent oder darunter, anderswo bei bis zu 33 Prozent. In sechs von 21 Stadtteilen mit Grundschule haben mehr als zwei Drittel der Kinder ein naturgesundes Gebiss. Im Schinkel sind es 32 Prozent, dort hat ein Kind zwischen sechs und zehn Jahren im Schnitt drei nicht naturgesunde Zähne. Aus zahnärztlicher Sicht besonders betroffen sind laut Bericht Schinkel und Innenstadt.
Nicht der Stadtteil ist die Ursache
Der Bericht stellt ausdrücklich klar, dass nicht die Stadtteile selbst die Ursache sind, sondern der wirtschaftliche Hintergrund der Familien. Die betroffenen Stadtteile sind dieselben, die im Sozialmonitoring bei Kinderarmut und Gesamtindex niedrige Werte zeigen.
Was dagegen läuft
Das Team Zahngesundheit besucht alle Kitas und rund drei Viertel der Schulen einmal jährlich, untersucht dort und führt Prophylaxeprogramme durch. An fünf Grundschulen mit den höchsten Anteilen kariöser Gebisse gibt es zusätzlich viermal im Jahr eine Fluoridierung, die nach Angaben des Berichts fast alle Kinder wahrnehmen.
Teil 6 unserer Serie zum ersten Osnabrücker Lebenslagenbericht. Zum Auftakt der Serie.

