25 der 119 Städte und Gemeinden im Bezirk der IHK Osnabrück – Emsland – Grafschaft Bentheim haben zum Jahresbeginn 2026 ihre Gewerbesteuer-Hebesätze angehoben. Das ist mehr als jede fünfte Kommune – und deutlich mehr als in den Jahren zuvor: 2025 waren es 16, 2024 erst 15. Das geht aus einer aktuellen Erhebung der Kammer hervor.
Wo am stärksten erhöht wurde
Bei der Gewerbesteuer stieg der Hebesatz in den betroffenen Kommunen im Schnitt um 16 Prozentpunkte. Den größten Sprung machte die Gemeinde Berge in der Samtgemeinde Fürstenau mit 30 Prozentpunkten.
Bei den Grundsteuern erhöhten zehn Kommunen den Hebesatz der Grundsteuer A und zwölf den der Grundsteuer B – dort fielen die Anpassungen mit durchschnittlich rund 31 beziehungsweise 30 Prozentpunkten deutlich kräftiger aus. Spitzenreiter ist Hilter: plus 65 Prozentpunkte bei der Grundsteuer A und plus 60 bei der Grundsteuer B.
Haren am günstigsten, Osnabrück am teuersten
Im Niveauvergleich liegt die Stadt Osnabrück mit 440 Prozent weiter an der Spitze der Gewerbesteuer-Hebesätze, den niedrigsten Wert hat die Stadt Haren (Ems) mit 330 Prozent. Bei der Grundsteuer B reicht die Spanne von 141 Prozent in Börger bis 545 Prozent in Osnabrück.
Die Hebesätze aller Kommunen sind im IHK-Wirtschaftsatlas unter www.ihk.de/osnabrueck (Nr. 85786) im Ordner „Strukturatlas“ grafisch aufbereitet.
Was die IHK von den Kommunen erwartet
IHK-Präsident Uwe Goebel sieht in der Entwicklung ein Standortrisiko: Die Gewerbesteuer sei „eine zentrale Belastung für die Unternehmen“ und beeinflusse unmittelbar, wie attraktiv ein Standort für Investitionen sei. Angesichts schwacher Konjunktur und hoher Kosten sollten die Kommunen aus seiner Sicht stärker bei den eigenen Ausgaben ansetzen, vor allem beim Personal. Mit Blick auf die Kommunalwahl erwartet er von den künftigen Räten und Kreistagen „eine ehrliche Diskussion über Prioritäten“.
Die Kammer verweist zugleich auf die angespannte Finanzlage vieler Städte und Gemeinden: In der IHK-Kommunalfinanzumfrage hatten zahlreiche Kommunen von wachsenden Defiziten, steigenden Personal- und Sachkosten sowie von Aufgaben berichtet, die Bund und Land ihnen ohne ausreichende Finanzierung übertragen.
Rund 18 Prozent ihrer Gesamteinnahmen beziehen die Kommunen aus der Gewerbesteuer. Zuletzt waren das 812 Euro je Einwohner in der Region und damit mehr als im niedersächsischen Durchschnitt von 767 Euro. Gegenüber 2020 sind die Gewerbesteuereinnahmen je Einwohner regional wie landesweit um mehr als 80 Prozent gestiegen.
Fragen zur Erhebung beantwortet bei der IHK Christian Weßling, Telefon 0541 353-135, E-Mail [email protected].

