547 Menschen galten 2025 in Osnabrück als Wohnungsnotfall. 2015 waren es 119. Das ist ein Anstieg um 360 Prozent in zehn Jahren, und es ist die Zahl aus dem ersten Lebenslagenbericht der Stadt, die am deutlichsten in eine Richtung zeigt.
Als Wohnungsnotfall gilt, wer obdachlos ist, wohnungslos, von Wohnungslosigkeit bedroht oder in unzumutbaren Verhältnissen lebt. Erfasst wird das über eine Stichtagserhebung der Zentralen Beratungsstelle Niedersachsen. Eine Dunkelziffer kommt hinzu.
Wer betroffen ist
80 Prozent der Wohnungsnotfälle in der Stadt sind Männer. 46 Prozent, also 252 Personen, haben eine ausländische Staatsbürgerschaft, 2015 waren es 27 Prozent. Es handelt sich laut Bericht überwiegend um Menschen aus anderen EU-Ländern.
Am stärksten verändert hat sich die Altersstruktur: 2015 waren 18 Wohnungsnotfälle unter 25 Jahre alt, 2025 waren es 86. Der Fachbereich für Kinder, Jugendliche und Familien ordnet das als bundesweiten Trend ein und nennt als Gründe den angespannten Wohnungsmarkt, auf dem junge Menschen mit wenig Geld kaum zum Zug kommen, dazu psychische Belastungen, Drogenprobleme und Konflikte in der Familie.
Die Hälfte der Wohnungen lässt sich retten
Wenn der Wohnungsverlust droht, greift die städtische Fachstelle. Von 403 bearbeiteten Fällen konnte in 202 Fällen, also der Hälfte, der Verlust der Wohnung verhindert werden. 31 Haushalte bezogen eine neue Wohnung, in 35 Fällen ging die Wohnung verloren. Die Betroffenen kamen anschließend in Notunterkünften der Stadt unter oder bei Freunden und Familie. Bei 135 Fällen ist der Ausgang unbekannt, weil der Kontakt abbrach.
Als Auslöser nennt der Bericht Mietschulden, Schimmel und Feuchtigkeit, Streit im Haus und Verwahrlosung. Dahinter stehen meist finanzielle Schwierigkeiten, oft zusammen mit psychischen Problemen, Sucht, Sprachbarrieren oder dem Alter.
Was in Zukunft gebraucht wird
Der Bericht sieht den Bedarf an günstigem und gefördertem Wohnraum unverändert fortbestehen. Weil die Zahl der über 65-Jährigen und der Einpersonenhaushalte wächst, kommt ein zweiter Bedarf hinzu: kleine, barrierefreie Wohnungen im günstigen Mietsegment, und zwar dort, wo Ärzte, Apotheken, Einkaufsmöglichkeiten und Bus oder Bahn erreichbar sind.
Teil 8 unserer Serie zum ersten Osnabrücker Lebenslagenbericht. Zum Auftakt der Serie.

