In Dersum in der Samtgemeinde Dörpen beteiligen sich 29 der 35 landwirtschaftlichen Betriebe an einem Modellprojekt für den Biotopverbund. Der Landkreis Emsland will dort über zehn Jahre erproben, wie Naturschutz in einer intensiv genutzten Agrarlandschaft funktioniert, ohne die Bewirtschaftung auszubremsen. Die Laufzeit reicht von 2026 bis 2036.
42 Hektar entlang der Gräben
Kern des Vorhabens sind Gewässerrandstreifen. Rund 42 Hektar sollen mit einer artenreichen Dauergrünlandmischung hergerichtet werden, in Streifen von drei oder sechs Metern Breite beidseitig der Gräben beziehungsweise auf den ersten drei oder sechs Metern angrenzender privater Flächen. Anschließend werden die Flächen extensiv gepflegt.
Parallel dazu testet der Landkreis mit dem zuständigen Unterhaltungsverband verschiedene Formen der Gewässerunterhaltung, um herauszufinden, welche Variante Insekten am wenigsten schadet und die Anforderungen an die Unterhaltung trotzdem erfüllt.
Bewusst wenige Auflagen
Der zuständige Dezernent Dr. Michael Kiehl begründet den Verzicht auf einen festen Maßnahmenkatalog damit, dass genau solche Vorgaben Landwirte bislang von Agrarumweltmaßnahmen abgehalten hätten. „Das Modellprojekt ist daher maximal unbürokratisch“, sagt er. Statt für alle Flächen von Beginn an ein einheitliches Nutzungskonzept festzuschreiben, sollen verschiedene Formen extensiver Bewirtschaftung ausprobiert und im Projektverlauf angepasst werden.
„Wir wollen gemeinsam und im Austausch mit den Landwirten erproben, was in der Praxis funktioniert – und nicht über die Köpfe derjenigen hinweg entscheiden, die die Flächen bewirtschaften“, so Kiehl.
Was die Landwirte davon haben könnten
Die örtliche Landwirtschaft verbindet mit dem Projekt eine konkrete Erwartung: Kommen zusätzliche Landschaftsstrukturen hinzu, könnte die Region in der Agrarförderung womöglich nicht länger als Defizitraum für Landschaftsstrukturen gelten. Damit ließen sich perspektivisch auch Düngeeinschränkungen verringern.
Fünf Jahre Zählen
Ob die Maßnahmen wirken, soll nicht Ansichtssache bleiben. In den ersten fünf Jahren werden die Bestände von Tagfaltern, Libellen, Feldvögeln einschließlich des Rebhuhns, Feldhasen und Heuschrecken erfasst. Die Ergebnisse sollen als Grundlage für ähnliche Projekte im Emsland und darüber hinaus dienen.

