Warnsysteme, Evakuierungen und Notunterkünfte müssen so gestaltet sein, dass alle Menschen sie nutzen können – das fordert der Niedersächsische Inklusionsrat von Menschen mit Behinderungen (NIR) in seiner „Stader Erklärung“. Das Gremium hat sie am 27. August 2026 in Stade verabschiedet und sieht auf allen staatlichen Ebenen weiterhin erheblichen Handlungsbedarf.
Was in der Erklärung steht
Der NIR verlangt, die Belange von Menschen mit Behinderungen systematisch in Planung, Vorbereitung und Bewältigung von Krisen- und Katastrophenlagen einzubeziehen. Konkret nennt die Erklärung barrierefreie Warn- und Informationssysteme, die Beteiligung von Menschen mit Behinderungen an Planungsprozessen sowie die Berücksichtigung unterschiedlicher Unterstützungsbedarfe bei Evakuierungen und in Notunterkünften.
„Ein wirksamer Katastrophenschutz muss alle Menschen erreichen. Niemand darf in Krisenlagen aufgrund einer Behinderung von Informationen, Unterstützung oder Schutzmaßnahmen ausgeschlossen werden“, erklärt Annetraud Grote, Niedersächsische Landesbeauftragte für Menschen mit Behinderungen. „Inklusion darf nicht erst beim Eintritt der Katastrophe bedacht werden, sondern muss fester Bestandteil aller Planungsphasen sein.“
Land und Kommunen sollen zusammen denken
„Nach 30 Jahren gemeinsamer Arbeit im NIR wissen wir, wie wichtig es ist, Bevölkerungsschutz von Anfang an inklusiv und aus einem Guss zu denken und die Perspektiven aus Kommunen und Land zusammenzubringen“, sagt Monika Nölting, Sprecherin des NIR. Das Gremium will die Erklärung den zuständigen Stellen in Land und Kommunen übermitteln und auf eine zeitnahe Umsetzung dringen.
Wer der NIR ist
Der Niedersächsische Inklusionsrat vertritt die kommunalen Beiräte, Beauftragten und weiteren Interessenvertretungen von Menschen mit Behinderungen im Land und versteht sich als Bindeglied zwischen Land und Kommunen. Die Sitzung in Stade war zugleich seine 60. Vollversammlung und fiel auf den 30. Jahrestag der Gründung.

