Beim Gebrauchtwagenkauf achten die meisten Käufer zuerst auf den Kilometerstand. Entscheidend ist aber nicht nur die Laufleistung, sondern auch der Zeitraum, in dem sie zurückgelegt wurde. Einige Fahrzeuge waren zuvor intensiv gewerblich im Einsatz, etwa als Taxi, Mietwagen oder Lieferfahrzeug, ohne dass sich das von außen erkennen lässt.
5,6 Prozent der Gebrauchten mit mehr als 36.000 Kilometern im Jahr
Als intensiv genutzt gilt ein Fahrzeug, wenn es im Schnitt mehr als 36.000 Kilometer pro Jahr beziehungsweise 3.000 Kilometer im Monat zurücklegt. Nach einer Auswertung des Datenunternehmens carVertical, die Fahrzeughistorienberichte von Januar 2025 bis Mai 2026 in Deutschland zugrunde legt, traf das auf 5,6 Prozent der überprüften Fahrzeuge zu. Ständiges Beschleunigen und Bremsen, Leerlauf, Kurzstrecken und häufige Fahrerwechsel im gewerblichen Einsatz können Motor, Fahrwerk, Getriebe und Innenraum stärker beanspruchen als eine private Nutzung.
„Eine hohe Laufleistung allein muss nicht zwangsläufig problematisch sein. Entscheidend ist vielmehr, wie ein Fahrzeug genutzt und gewartet wurde. 100.000 Kilometer überwiegend auf der Autobahn können ein Fahrzeug deutlich weniger beanspruchen als die gleiche Laufleistung im täglichen Stadtverkehr“, ordnet Tony Osmancevic vom ASG Remscheid Autohaus ein.
Vito, Touran und Passat besonders häufig betroffen
Unter den in Deutschland überprüften Modellen stach der Mercedes-Benz Vito hervor: 19,5 Prozent der geprüften Vito überschritten den Schwellenwert von 36.000 Kilometern im Jahr. Es folgten der Volkswagen Touran (16,7 Prozent), der Volkswagen Passat (16,3 Prozent), die Mercedes-Benz V-Klasse (15 Prozent) und der Škoda Kodiaq (13,2 Prozent). Diese Modelle gelten wegen Praxistauglichkeit und Effizienz als beliebt für den professionellen Einsatz, werden aber aus denselben Gründen auch von Privatkäufern geschätzt.
Optische Spuren lassen sich beseitigen
Stark abgenutzte Sitzwangen, Lenkräder, Pedale oder Bedienelemente können erste Hinweise auf eine intensive Nutzung sein. „Allerdings lassen sich viele optische Spuren durch eine professionelle Aufbereitung oder den Austausch einzelner Teile relativ gut beseitigen. Deshalb kann man allein anhand der Optik keine sichere Aussage treffen“, so Osmancevic weiter. Experten raten daher, ein infrage kommendes Fahrzeug vor dem Kauf in einer Werkstatt prüfen zu lassen und neben dem Kilometerstand auch Wartungshistorie und Zustand zu berücksichtigen, besonders bei importierten Fahrzeugen, deren Vornutzung im Ausland oft schwer nachzuvollziehen ist.

