Rund zwei Drittel der Betriebe in der Region Osnabrück können offene Stellen nicht passend besetzen, gut jedes dritte Unternehmen sieht im Fachkräftemangel ein Risiko für die eigene Entwicklung. So steht es in Umfragen der IHK Osnabrück-Emsland-Grafschaft Bentheim. Beim dritten Fachkräftetag Region Osnabrück haben rund 110 Vertreterinnen und Vertreter aus Unternehmen und Institutionen in der IHK beraten, was Betriebe konkret dagegen tun können.
Getragen wird die Veranstaltung von sechs Partnern: der IHK, der Handwerkskammer Osnabrück-Emsland-Grafschaft Bentheim, der Landwirtschaftskammer Niedersachsen, dem Welcome & Work Center Landkreis Osnabrück, dem Welcome & Connect Center Osnabrück und der Agentur für Arbeit Osnabrück. Moderiert hat Christina Relius.
Erst die Leitidee, dann die Arbeitgebermarke
Den Auftakt machte Dirk Kolhosser, Executive Creative Director der MUUUH! Management GmbH. Sein Vortragstitel stellte die Frage, ob Arbeitgebermarke, Leitbild und Kultur wichtig sind oder weg können. Seine Antwort: Mit Marketing hat das zunächst wenig zu tun. Wer als Betrieb eine klare unternehmerische Leitidee hat, kann daraus den Auftritt nach außen ebenso ableiten wie Kultur und Arbeitgebermarke nach innen. Das gebe den Beschäftigten Sinn und Richtung, und davon hänge ihre Leistungsfähigkeit ab.
„Wer hier ehrlich ansetzt und seine Mitarbeitenden auf diesem Weg mitnimmt, schafft Sinn und Sicherheit“, sagte Kolhosser. Genau das entscheide heute darüber, ob ein Unternehmen für Fachkräfte attraktiv ist.

Was Beschäftigte im Betrieb hält
Den Schwerpunkt des Tages bildeten vier Workshops. Beim Thema Mitarbeiterbindung zeigte sich: Ein transparentes, als fair empfundenes Lohnkonzept ist Voraussetzung, reicht aber nicht. Genannt wurden gelebte Werte, Wertschätzung, Entwicklungsmöglichkeiten, Gestaltungsspielraum und Führungskräfte, die den Sinn der Arbeit vermitteln und ihre Leute auf Augenhöhe einbinden.
KI in der Personalarbeit: Die meisten stehen am Anfang
Im Workshop zu Personalentwicklung und Qualifizierung ging es vor allem um Künstliche Intelligenz. Die meisten teilnehmenden Unternehmen schätzten ihren Stand selbst als gering ein. Nur etwa ein Viertel bis ein Drittel nutzt KI bereits in nennenswertem Umfang, in erster Linie, um Wissen zu sammeln, aufzubereiten und weiterzugeben. Als Bremsen nannten die Teilnehmer fehlendes Know-how, knappe Ressourcen und Unsicherheit beim Datenschutz.

Belegschaft in die Suche einbinden
Zwei weitere Workshops befassten sich mit der Gewinnung von Fachkräften in der Region und über die Landesgrenzen hinaus sowie mit Anwerbung, Einarbeitung und Integration ausländischer Fachkräfte. Die Erfahrungen gingen je nach Betriebsgröße und Branche weit auseinander. In einem kleinen Betrieb etwa bewährt sich ein Empfehlungsprogramm, bei dem Beschäftigte neue Kollegen vorschlagen.
Einig waren sich die Teilnehmer in drei Punkten: Die eigene Belegschaft sollte an der Rekrutierung beteiligt werden, zum Beispiel beim Probearbeiten. Mehrere Kanäle parallel zu nutzen, bringt mehr als einer. Und auch Rentnerinnen und Rentner lassen sich für eine Rückkehr gewinnen. Ein Patentrezept gibt es nicht, der Weg muss zu Betrieb und Zielgruppe passen.

