Die Schmerzklinik des Klinikums Region Hannover ist von Lehrte nach Großburgwedel umgezogen und damit nach vier Jahren an ihren ursprünglichen Standort zurückgekehrt. Chefarzt Dr. Emanuel Strüber erklärt, wen die Klinik behandelt, wie die Therapie aufgebaut ist und was Betroffene vor der Aufnahme wissen sollten.
Gleiche Bettenzahl, gleiches Team
Bezogen hat die Klinik eine sanierte Station im Bestandsgebäude. Die Zahl der Betten ist dieselbe wie in Lehrte, das Personal ist vollständig mitgezogen. Rund 50 Mitarbeitende arbeiten in der Schmerzklinik, darunter 10 Ärztinnen und Ärzte aus Orthopädie und Unfallchirurgie, Allgemeinchirurgie und Anästhesie, 5 Psychologinnen, auf Schmerz spezialisierte Pflegekräfte (Pain Nurses) sowie Physiotherapeuten. Wegen der großen Nachfrage hält Strüber eine Erweiterung langfristig für denkbar. Die Patientinnen und Patienten kommen aus allen nördlichen Bundesländern.
Rücken, Nerven, Kopf: die häufigsten Schmerzen
Mehr als die Hälfte der Behandelten hat Rückenschmerzen. Eine zweite große Gruppe leidet unter Nervenschmerzen, etwa nach einer Gürtelrose, nach Amputationen oder durch Diabetes. Die dritte Gruppe kommt wegen chronischer Kopfschmerzen.
Drei Säulen statt einer Spritze
Die sogenannte multimodale Therapie verbindet ärztliche Behandlung, Physiotherapie und psychologische Einheiten. Der Vorteil der stationären Behandlung liegt laut Strüber darin, dass das Team sofort sieht, ob ein Medikament oder eine Maßnahme wirkt, und gegebenenfalls direkt umstellt. In der ambulanten Versorgung vergehen bis zur nächsten Rückmeldung oft Wochen. Unter enger Überwachung lassen sich auch komplexere Medikamente einsetzen, darunter Antidepressiva, Neuroleptika, Cannabis oder Botox. Das sei vor allem bei älteren Menschen und bei Patienten wichtig, die bereits viele Medikamente nehmen.
Wenn die Seele den Schmerz wachhält
Manche Schmerzen bleiben, obwohl die körperliche Ursache längst ausgeheilt ist. Trauer, Verlust oder Belastungen wie Mobbing am Arbeitsplatz können chronische Schmerzen aufrechterhalten. Stellt das Team das fest, bekommen Betroffene verstärkt psychotherapeutische Unterstützung. Viele Patientinnen und Patienten seien es gewohnt, durchzuhalten, und müssten erst lernen, dass auch dieser Weg hilft.
Nach Einschätzung der Klinik erreicht die Behandlung bei bis zu 90 Prozent der Patientinnen und Patienten eine spürbare Besserung. Grundlage sind Befragungen vor und nach dem Aufenthalt, die die Krankenkassen vorschreiben. Auch der Austausch untereinander helfe: Viele merkten erst in der Klinik, dass sie mit ihren Schmerzen nicht allein sind.
Aufnahme: Diese Kriterien gelten
Behandelt wird ausschließlich stationär, in der Regel nach Einweisung durch einen niedergelassenen Arzt. Aufgenommen wird, wer die leitliniengerechte Therapie ohne Erfolg ausgeschöpft hat und mindestens 3 der folgenden Kriterien erfüllt, belegt durch medizinische Unterlagen:
- chronische Schmerzen seit mehr als 3 Monaten
- eine ambulante fachärztliche Therapie ist gescheitert
- sehr hohe seelische Belastung
- eine schwere körperliche Begleiterkrankung, etwa schwerer Diabetes oder eine Herzerkrankung
Geklärt wird das in einem telefonischen Vorgespräch. Vor der Aufnahme folgt eine ärztliche und pflegerische Anamnese vor Ort, die bis zu 4 Stunden dauert. Der Aufenthalt selbst dauert in der Regel 2 Wochen. Weil die Klinik dauerhaft voll belegt ist, liegt die Wartezeit außer in dringenden Fällen bei 2 bis 3 Monaten.

