Die Tarifverhandlungen für die norddeutsche Metall- und Elektroindustrie haben am Donnerstag, 8. Oktober 2026, in Hamburg-Bergedorf ohne Annäherung begonnen. Nach rund zwei Stunden wies Lena Ströbele, Verhandlungsführerin des Arbeitgeberverbands NORDMETALL, die Forderung der IG Metall Küste nach fünf Prozent mehr Lohn als unrealistisch zurück. Die zweite Runde ist für Dienstag, 27. Oktober, in Oldenburg angesetzt.
Was die IG Metall verlangt
Die IG Metall hatte ihr Forderungspaket bundesweit Ende September beschlossen. Neben fünf Prozent mehr Geld, mit zusätzlichem Plus für die unteren Entgeltgruppen, will die Gewerkschaft eine tarifliche Absicherung von Arbeitsplätzen und eine Gewinnbeteiligung in Betrieben, denen es wirtschaftlich gut geht. Sie begründet das mit gestiegenen Kosten für Wohnen, Gesundheit und Lebenshaltung und verweist darauf, dass zwei Drittel der Unternehmen nach eigener Einschätzung gut ausgelastet seien. Die Friedenspflicht endet am 31. Oktober, ab dem 1. November sind Warnstreiks möglich.
Arbeitgeber verweisen auf Stellenabbau und Arbeitskosten
NORDMETALL hält dagegen, die Forderung sei angesichts der Lage der Branche nicht tragbar. Nach Angaben des Verbands hat die deutsche M+E-Industrie seit 2019 gut 340.000 Arbeitsplätze verloren, weitere bis zu 300.000 seien in Gefahr. Die Produktion liege 15 Prozent unter dem Stand von 2019. Neben Standortfaktoren, Konkurrenz aus China, US-Zöllen und internationalen Konflikten macht Ströbele vor allem die Arbeitskosten verantwortlich: Eine Arbeitsstunde koste in Deutschland rund 55 Euro, in Polen gut 18 Euro.
Laut Verband planen so viele norddeutsche Betriebe wie nie zuvor, Produktion ins Ausland zu verlagern, mehr als ein Viertel sehe sich dazu gezwungen. Der Kostendruck treffe auch Firmen mit vollen Auftragsbüchern, etwa in Luft- und Raumfahrt, Schiffbau und Rüstung, und erst recht Maschinen- und Fahrzeugbauer. NORDMETALL fordert deshalb Kostensenkungen statt Lohnerhöhungen.
Wie es weitergeht
Die Verhandlungen werden regional von den IG-Metall-Bezirken geführt. Für den Norden ist die IG Metall Küste zuständig. In Oldenburg treffen sich beide Seiten am 27. Oktober wieder, bevor Ende Oktober die Friedenspflicht ausläuft.

