Im Streit um Ferienwohnungen in der Albatrosstraße in Norddeich wehrt sich die Stadt Norden gegen den Vorwurf, ihre Bauaufsicht schaue weg. In einer Stellungnahme vom 3. November 2026 reagiert sie auf Medienberichte, nach denen die Verwaltung untätig geblieben sei und gesetzte Fristen ohne Folgen verstrichen seien. Das treffe nicht zu, so die Stadt: Die Bauaufsicht habe den Sachverhalt ermittelt, Maßnahmen angeordnet und verbindliche Fristen gesetzt. Keine dieser Fristen sei bislang ungenutzt verstrichen. Wo Betroffene Verlängerungen beantragt hätten, seien diese ordnungsgemäß bewilligt worden.
Warum nicht jede Ferienwohnung im Wohngebiet unzulässig ist
Der geltende Bebauungsplan Nr. 56, 1. Änderung, weist die Albatrosstraße als reines Wohngebiet aus. Daraus folgt nach Darstellung der Stadt aber nicht, dass jede Ferienwohnung dort verboten ist. Wurde eine Ferienwohnung schon vor Inkrafttreten des Bebauungsplans genehmigt und rechtmäßig genutzt, kann sie Bestandsschutz genießen. Eine wirksame Baugenehmigung wird durch spätere Festsetzungen nicht rückwirkend aufgehoben. Die Bauaufsicht müsse deshalb in jedem Einzelfall prüfen, ob eine Nutzung genehmigt ist oder tatsächlich gegen das Baurecht verstößt.
Fristen, Zwangsgelder und Kontrollen vor Ort
Auch die Fristen für angeordnete Umbauten müssen laut Stadt angemessen sein. Bei größeren Bauvorhaben spielten der Umfang der Arbeiten und die Auftragslage der Handwerksbetriebe eine Rolle. Hält sich jemand nicht an eine Anordnung, kann die Stadt Zwangsgelder androhen und festsetzen sowie weitere Vollstreckungsmaßnahmen ergreifen. Ungenehmigte Nutzungen prüft die Bauaufsicht durch Kontrollen vor Ort, den Abgleich mit Baugenehmigungen und anhand von Hinweisen aus der Bevölkerung.
Bürgermeister Florian Eiben stellte sich hinter die Beschäftigten der Bauaufsicht. Es gehe um „rechtssichere Entscheidungen, die auch vor Gericht Bestand haben“, nicht um schnelle Schlagzeilen. Wiederholte Beschwerden bei verschiedenen Stellen beschleunigten ein laufendes Verfahren nicht.
Neue Bebauungspläne sollen Ferienwohnen 2027 regeln
Stadtbaurat Christian Pohl kündigte an, dass sich die Stadt im kommenden Jahr im Zuge der Neuaufstellung von Bebauungsplänen gezielt und gebietsbezogen mit dem Thema Ferienwohnen befassen wird. Zu einzelnen laufenden Verfahren äußert sich die Stadt aus Datenschutzgründen nicht. Weitere Verfahren sind nach ihren Angaben anhängig.
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