Die Kommunen im Kreis Coesfeld müssen 2027 deutlich mehr an den Kreis abgeben. Nach dem Haushaltsentwurf, den Landrat Dr. Christian Schulze Pellengahr und Kreisdirektor Dr. Linus Tepe am Mittwoch, 4. November 2026, in den Kreistag eingebracht haben, steigt die allgemeine Kreisumlage auf 150,87 Millionen Euro. Das sind rund 9,75 Millionen Euro mehr als im laufenden Jahr, der Hebesatz liegt bei 36,52 Prozent. Beschlossen werden soll der Haushalt am 9. Dezember 2026.
593,6 Millionen Euro, ausgeglichen geplant
Der Entwurf mit dem Titel „#wirfüreinander“ sieht Erträge und Aufwendungen von jeweils rund 593,6 Millionen Euro vor und ist damit ausgeglichen. Nach Angaben des Kreises liegt er rund 2 Millionen Euro unter der bisherigen mittelfristigen Planung.
Woher die Mehrkosten kommen
Als Gründe nennt der Kreis vor allem Tarifsteigerungen beim Personal und höhere Zahlungen an den Landschaftsverband Westfalen-Lippe (rund 3,71 Millionen Euro mehr). Dazu kommen gestiegene Kosten bei Sozialem und Jobcenter (2,2 Millionen Euro mehr) sowie wegfallende Fördergelder, rund 1 Million Euro beim ÖPNV und 1,7 Millionen Euro aus dem Pakt für den öffentlichen Gesundheitsdienst. Besonders teuer werden Pflege, Hilfen zur Erziehung und Schulbegleitung.
Auch die Jugendamtsumlage steigt: Der Hebesatz klettert von 21,28 auf 21,91 Prozent, der Betrag von 54,69 auf 55,85 Millionen Euro.

Kämmerer: „Die Kommunen sind am Limit“
Kreiskämmerer Dr. Linus Tepe beschrieb die Finanzlage der Städte und Gemeinden als so schwierig wie seit Jahrzehnten nicht. Im Landesvergleich stünden die Kommunen im Kreis Coesfeld aber noch vergleichsweise stabil da. Seit der gemeinsamen Absichtserklärung habe der Kreis rund 23 Millionen Euro an Verbesserungen und Eigenkapital an die Kommunen zurückgegeben. Freiwillige Leistungen will der Kreis nicht ausweiten, sie machen 0,8 Prozent der Gesamtaufwendungen aus. Zugleich sieht Tepe auch die elf Städte und Gemeinden in der Pflicht, zu sparen: „#wirfüreinander heißt: 11 + 1.“
Wo der Kreis weiter investiert
Landrat Schulze Pellengahr betonte, Sparen bedeute nicht Stillstand. Weiter geplant sind unter anderem die Sanierung der Berufskollegs, die neue Kreisleitstelle und ein neues Kreiszentralarchiv. Krisenvorsorge und Katastrophenschutz sollen in den kommenden Jahren mehr Gewicht bekommen. Der Kreis setzt außerdem auf Digitalisierung und Künstliche Intelligenz, ein Softwareroboter spart nach Angaben der Verwaltung schon heute mehr als 1.000 Arbeitsstunden im Jahr. Beim ÖPNV sind statt großer Ausbauschritte eher punktuelle, an der Nachfrage orientierte Verbesserungen vorgesehen.

Wie es weitergeht
In den kommenden Wochen beraten die Fraktionen und Ausschüsse über den Entwurf. Der Kreistag entscheidet am 9. Dezember 2026 über den Haushalt.

