Wiesbaden. Gut jede und jeder siebte junge Erwerbstätige ist überqualifiziert. Nach Angaben des Statistischen Bundesamts sind 15 Prozent der 15- bis 34-Jährigen formal höher qualifiziert als für ihre ausgeübte Tätigkeit erforderlich, was die Situation überqualifizierter junger Erwerbstätiger in Deutschland verdeutlicht.
Überqualifizierung bei Jugend
Überblick zur Überqualifizierung und Unterqualifizierung
Nach den Ergebnissen des Zusatzmoduls der Arbeitskräfteerhebung 2024 (Labour Force Survey) geben 15 Prozent der jungen Erwerbstätigen an, überqualifiziert zu sein. Der Bildungsabschluss entspricht bei 78 Prozent genau der Anforderung ihrer Beschäftigung, während 7 Prozent unterqualifiziert sind. Frauen sind dabei etwas häufiger überqualifiziert (16 Prozent) als Männer (13 Prozent). Im Gegensatz dazu sind Männer mit 9 Prozent öfter unterqualifiziert als Frauen mit 5 Prozent.
Einwanderungsgeschichte beeinflusst Qualifikationslage
Junge Erwerbstätige mit Einwanderungsgeschichte zeigen eine größere Varianz in der Qualifikationspassung. 18 Prozent dieser Gruppe sind überqualifiziert, deutlich mehr als die 14 Prozent ohne Einwanderungsgeschichte. Unter den direkt eingewanderten jungen Erwerbstätigen liegt der Anteil der Überqualifizierten bei 19 Prozent, gleichzeitig ist mit 14 Prozent auch der Anteil der Unterqualifizierten in dieser Gruppe am höchsten.
„Dass der Bildungsabschluss mit der Tätigkeit der Erwerbstätigen unter 35 Jahren übereinstimmt, trifft auf junge Menschen mit Einwanderungsgeschichte seltener zu als auf Gleichaltrige ohne Einwanderungsgeschichte.“
Fachfremde Tätigkeiten und ihre Verbreitung
Die Arbeitskräfteerhebung zeigt zudem, dass 22 Prozent der Erwerbstätigen von 15 bis 34 Jahren eine teilweise bis völlige Abweichung der Fachrichtung ihrer Berufsqualifikation zur Tätigkeit angeben. Dieser Anteil ist bei jungen Menschen mit Einwanderungsgeschichte höher (28 Prozent) und erreicht bei selbst Zugewanderten 30 Prozent. Im Gegensatz dazu liegt der Anteil bei denen ohne Einwanderungsgeschichte nur bei 20 Prozent.
- 15 % sind überqualifiziert
- 78 % haben passende Qualifikation
- 7 % sind unterqualifiziert
- Höhere Überqualifikation bei Frauen (16 % vs. 13 % Männer)
- Einwanderungsgeschichte erhöht Varianz
Methodische Hinweise
Die Daten basieren auf Selbstauskünften aus dem Mikrozensus, der jährlich rund 0,45 Prozent der deutschen Bevölkerung befragt. Die Zahlen sind anhand des Zensus 2022 hochgerechnet und repräsentieren die aktuelle Arbeitsmarktlage junger Erwerbstätiger.
Beispiel: Welche Bedeutung das für die Region hat, zeigt der folgende Abschnitt.
Lokale Einordnung und Ausblick für junge Erwerbstätige
In Hessen, wie auch in ganz Deutschland, zeigt sich die überqualifizierte Situation vieler junger Erwerbstätiger. Für die regionale Arbeitsmarktpolitik ist diese Entwicklung wichtig, denn sie gibt Hinweise auf mögliche Fachkräftedefizite trotz hoher Qualifikationen. Für Bürgerinnen und Bürger bedeutet dies, dass Weiterbildung und Beratung zu Berufsorientierung und Qualifikationsanpassung an Bedeutung gewinnen. Künftige Maßnahmen könnten auf die Verbesserung der Passgenauigkeit zwischen Qualifikation und Beschäftigung abzielen. Aktuelle und weiterführende Daten zum Thema überqualifizierte junge Erwerbstätige finden Interessierte auf regionalupdate.de sowie auf der Website des Statistischen Bundesamtes.
Quellen:

