Essen. Eine aktuelle Studie des BDEW und Capgemini zeigt, dass der Wasserstoffhochlauf in Deutschland trotz hoher Unternehmensbereitschaft durch zahlreiche Investitionshemmnisse verzögert wird. Entscheidend sind dabei regulatorische, wirtschaftliche und infrastrukturelle Risiken, die auf allen Stufen der Wertschöpfungskette wirken.
Wasserstoffmarkt jetzt stärken: Risiken und Lösungen beim wasserstoffhochlauf investitionshemmnisse politik
Die Studie hebt hervor, dass der Aufbau des Wasserstoffmarkts nicht an mangelndem Interesse oder Technologie scheitert, sondern vor allem an sich überschneidenden Investitionshemmnissen entlang der gesamten Kette von Erzeugung über Transport, Speicherung bis zur Nutzung. Ein isoliertes Eingreifen sei unzureichend, stattdessen werden koordinierte Maßnahmen gefordert, die sowohl regulatorische als auch wirtschaftliche und infrastrukturelle Risiken entschärfen.
Regulatorische Herausforderungen im Fokus
Ein zentrales Problem stellt der Delegierte Rechtsakt zu RFNBOs (Renewable Fuels of Non-Biological Origin) dar, der strenge Anforderungen an die Produktion von erneuerbarem Wasserstoff definiert. Die aktuelle Regelung zwinge beispielsweise dazu, neue Windparks ausschließlich für Wasserstoffproduktion zu errichten, was zu hohen Kosten führt. Die Studie empfiehlt, Synergien im bestehenden Energiesystem besser zu nutzen und die Vorschriften entsprechend zu flexibilisieren.
Wirtschaftliche Unterstützung durch Instrumente
Zur Überbrückung der Kostenlücke zwischen erneuerbarem beziehungsweise kohlenstoffarmem Wasserstoff und fossilen Alternativen seien staatliche Contracts-for-Difference (CfD) notwendig. Darüber hinaus könnten staatliche Garantien dazu beitragen, die Finanzierungskosten zu senken. Parallel müsse die Politik Leitmärkte etablieren, die eine verlässliche Nachfrage sicherstellen und Investitionsentscheidungen erleichtern.
„Die Studie zeigt, dass es jetzt Ziel der Politik sein muss, den Aufbau vollständiger Wertschöpfungsketten zu ermöglichen. Wir brauchen sichtbare Großprojekte, um die Machbarkeit und Skalierbarkeit von Wasserstoffprojekten zu zeigen. Die aktuellen Hürden sind zu hoch und die Risiken für die Unternehmen zu Beginn kaum zu tragen“, sagte Dr. Kirsten Westphal, BDEW.
Die Studie benennt insbesondere drei prioritäre Handlungsfelder: Finanzierung, Abnahmevereinbarungen und regulatorische Stabilität. Solange diese Aspekte nicht verbessert werden, bleiben viele Projekte in der frühen Phase stecken und erreichen keine Final Investment Decisions (FID).
„Die kumulierten Unsicherheiten übersteigen schlicht die Risikotragfähigkeit der Unternehmen“, erklärte Torben Schuster, Capgemini. „Wenn politische Entscheidungsträger bei der Regulierung ansetzen, kann der Wasserstoffmarkt endlich den Schritt von ambitionierten Zielen zu umsetzbaren Investitionsentscheidungen machen.“
Praxisbeispiel: EWE und der Hochlauf
Aus Unternehmenssicht betont Dr. Geert Tjarks, Geschäftsführer der EWE HYDROGEN GmbH, dass der Einstieg in integrierte Wasserstoffprojekte nur dank gezielter Förderungen gelingt. Für einen nachhaltigen Hochlauf im Markt seien jedoch Instrumente nötig, die Investitionen auch ohne Einzelförderung ermöglichen. EWE engagiert sich mit dem IPCEI-Projekt „Clean Hydrogen Coastline“ als Vorreiter für integrierte Wasserstoffwertschöpfung.
Weiterführende Informationen und die vollständige Studie finden Sie beim BDEW sowie auf der Fachseite E-World.
Ausblick: Nächste Schritte für den Wasserstoffhochlauf
Die Studie empfiehlt einen zeitnahen, ganzheitlichen Politikansatz, der regulatorische Anforderungen flexibilisiert, wirtschaftliche Anreize schafft und die Infrastrukturentwicklung koordiniert. Für 2026 und darüber hinaus sind weitere Großprojekte geplant, um durch Pilot- und Leuchtturmprojekte den Markthochlauf zu befördern. Die Politik ist nun gefordert, den komplexen Instrumentenmix umzusetzen und Rahmenbedingungen zu schaffen, die Investoren Sicherheit bieten. Nur so gelingt der Sprung aus der Frühphase in eine belastbare, wettbewerbsfähige Wasserstoffwirtschaft.
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Offizielle Informationen zum Wasserstoff und seiner Förderung stellt das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz bereit: BMWK Wasserstoffstrategie.

