Berlin. Im Jahr 2025 sind die krankheitstage ausfallzeiten langzeiterkrankungen bei den AOK-versicherten Beschäftigten im Durchschnitt leicht gesunken, bleiben aber insgesamt auf einem hohen Niveau. Mit 23,3 gemeldeten Fehltagen liegt der Wert zwar unter dem Vorjahresniveau, jedoch deutlich über dem Trend von vor der Einführung der elektronischen Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (eAU).
Fehlzeiten bleiben hoch
Die Analyse des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) zeigt, dass die eAU, die seit 2022 für die automatische Übermittlung von Krankschreibungen an die Krankenkassen sorgt, vor allem bei kurzzeitigen Erkrankungen zu einer Erhöhung der dokumentierten Fehltage geführt hat. Kurzzeiterkrankungen bis 14 Tage sind im Vergleich zu den Vorjahren deutlich häufiger erfasst worden. So stiegen die durchschnittlichen Fehltage aufgrund kurzer Erkrankungen von 6,7 Tagen im Jahr 2016 auf 10,1 Tage im Jahr 2022 und lagen im Jahr 2025 bei 9,1 Tagen.
Einfluss der elektronischen Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung
Vor Einführung der eAU mussten Versicherte ihre Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung selbst an die Krankenkasse weiterleiten, was insbesondere bei kurzen Erkrankungen häufig unterblieb. Seit 2022 erfolgt die Übermittlung automatisch, was die statistische Erfassung deutlich verbesserte.
„Die Einführung der elektronischen Krankschreibung im Jahr 2022 hat bei den beruflichen Fehlzeiten zu einer bemerkenswerten Niveau-Verschiebung nach oben geführt“, sagte WIdO-Geschäftsführer Helmut Schröder.
Atemwegserkrankungen als Hauptgrund für Kurzzeitausfälle
Die häufigste Ursache für Krankschreibungen bis zu 14 Tagen sind akute Atemwegsinfektionen. Während im Jahr 2019 nur 65 Prozent der Dokumentationen dazu auch eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung enthielten, stieg dieser Anteil 2024 auf knapp 86 Prozent. Die steigenden Krankmeldungen sind damit vor allem auf die vollständigere Erfassung zurückzuführen, nicht auf eine höhere Erkrankungsschwere. Zudem zeigen Daten des Robert Koch-Instituts und der AOK selbst, dass seit 2022 insgesamt mehr akute Atemwegsinfekte diagnostiziert wurden.
Entwicklung der Langzeiterkrankungen
Neben der verbesserten Erfassung kurzzeitiger Ausfallzeiten steigt auch die Zahl der krankheitstage ausfallzeiten langzeiterkrankungen weiter an. Langzeitkranke – meist mit einer Erkrankungsdauer von mehr als sechs Wochen – verursachen über 40 Prozent aller Fehltage, obwohl sie nur 3,3 Prozent der AU-Fälle ausmachen. Besonders prominent sind Muskel-Skelett-Erkrankungen und psychische Erkrankungen.
Psychische Erkrankungen als Haupttreiber
Die Fehltage, die durch psychische Erkrankungen mit langer Ausfallzeit verursacht werden, sind zwischen 2016 und 2025 deutlich gestiegen. Mit durchschnittlich 28,5 Fehltagen pro Fall sind sie die längsten Ausfallzeiten im Vergleich zu anderen Diagnosegruppen.
„Hier kann die betriebliche Gesundheitsförderung Ansätze bieten, um die Widerstandsfähigkeit und psychische Belastbarkeit von Beschäftigten zu stärken“, erklärte WIdO-Geschäftsführer Schröder.
Bedeutung für Unternehmen und Beschäftigte
Eine gesundheitsorientierte Unternehmenskultur, transparente Kommunikation und partizipative Führung gelten als wichtige Maßnahmen, um Langzeiterkrankungen vorzubeugen und Beschäftigte langfristig zu binden.
Beispielhafte Maßnahmen der betrieblichen Gesundheitsförderung und weitere Informationen zu Krankheitsausfällen finden Sie auf regionalupdate.de sowie beim Wissenschaftlichen Institut der AOK (WIdO).
Welche Bedeutung das für die Region hat, zeigt der folgende Abschnitt.
Regionale Einordnung und Ausblick
Die Daten basieren auf der Auswertung von etwa 14,9 Millionen Erwerbstätigen, die bei der AOK versichert sind – davon ein großer Anteil aus dem regionalen Umfeld. Für Arbeitnehmer und Arbeitgeber in der Region bedeutet das, dass krankheitstage ausfallzeiten langzeiterkrankungen weiterhin relevante Faktoren für die Arbeitsfähigkeit und Planungssicherheit darstellen.
Für Betriebe wird der Umgang mit psychischen Belastungen und das frühzeitige Erkennen von Langzeiterkrankungen zunehmend wichtiger. Die Einführung der eAU erleichtert zwar die statistische Erfassung, stellt aber weiterhin hohe Anforderungen an die betriebliche Gesundheitsförderung.
Zukünftige Entwicklungen und mögliche Maßnahmen zur Reduktion der Fehlzeiten werden im Jahresverlauf vom WIdO weiter beobachtet und in ihren Empfehlungen berücksichtigt. Arbeitgeber und Beschäftigte können sich auf der Webseite des WIdO sowie bei regionalen Beratungsangeboten über aktuelle Handlungsempfehlungen informieren.

