Der Baumwipfelpfad an der Saarschleife führt als Holzsteg durch die Baumkronen

Barrierefrei reisen: 420 Betriebe in Niedersachsen sind geprüft

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Wer im Rollstuhl sitzt, schlecht sieht oder mit dem Rollator unterwegs ist, muss vor jeder Reise dieselbe Frage klären: Komme ich da überhaupt rein? In Niedersachsen geben darauf inzwischen gut 420 Betriebe eine geprüfte Antwort. Sie tragen die Kennzeichnung „Reisen für Alle“ – und die beruht ausdrücklich nicht auf einer Selbsteinschätzung.

Wer prüft, und was dabei herauskommt

Geschulte Erheberinnen und Erheber nehmen die Betriebe nach bundesweit einheitlichen Vorgaben auf. Berücksichtigt werden die Anforderungen von Menschen mit Mobilitäts-, Seh-, Hör- und kognitiven Beeinträchtigungen. Erfasst wird die gesamte Servicekette: Reisevorbereitung, Tourist-Information, Restaurant, Hotel, Museum, Freizeitangebot. Auch ganze Städte und Regionen können sich zertifizieren lassen.

Am Ende steht eine von drei Stufen:

  • „Information zur Barrierefreiheit“
  • „Barrierefreiheit geprüft – teilweise barrierefrei“
  • „Barrierefreiheit geprüft – barrierefrei“

Die Kennzeichnung gilt drei Jahre. Koordiniert wird das Verfahren in Niedersachsen von der Tourismus Niedersachsen GmbH, die interessierte Betriebe auch auf dem Weg dorthin begleitet.

„Teilweise“ ist kein Schönheitsfehler, sondern die entscheidende Information

Wie wichtig die Abstufung ist, zeigt das aktuelle Beispiel des Landes. Am Dienstag besuchten Vertreter des Wirtschaftsministeriums gemeinsam mit der Landesbeauftragten für Menschen mit Behinderungen und Mitgliedern des Landesbeirats den Baumwipfelpfad Harz in Bad Harzburg. Der Pfad führt auf rund 1.000 Metern Länge in bis zu 26 Metern Höhe durch die Baumkronen des Kalten Tals, eine geringe Steigung und entsprechende Wegeverbindungen erleichtern die Nutzung.

Eingestuft ist er von „Reisen für Alle“ dennoch als teilweise barrierefrei für Menschen mit Gehbehinderungen und Rollstuhlfahrer – nicht als barrierefrei. Genau solche Unterschiede machen den Nutzen des Systems aus: Wer vorher weiß, was ihn erwartet, kann planen.

Ausblick vom Baumwipfelpfad auf die Saarschleife
Symbolbild: Ausblick auf die Saarschleife vom dortigen Baumwipfelpfad. Foto: Jörg Maire

Der Besuch gehört zu einer Reihe

Der Termin ist Teil einer Maßnahme des niedersächsischen Aktionsplans Inklusion. Dafür werden zertifizierte Betriebe und ausgewählte Praxisbeispiele gezielt aus der Sicht von Menschen mit Behinderungen betrachtet. Nach dem Auftakt in einem Wolfsburger Hotel war der Baumwipfelpfad die zweite Station. Im Mittelpunkt standen Zugänglichkeit, Wegeführung und die Informationen für Gäste.

Wirtschaftsminister Grant Hendrik Tonne nennt den Pfad ein Beispiel dafür, „wie sich Naturerlebnisse möglichst barrierearm gestalten lassen“. Sozialminister Andreas Philippi verweist auf den grundsätzlichen Anspruch: „Barrierefreiheit ist nicht nur eine Frage der Zugänglichkeit, sondern ein grundlegendes Menschenrecht.“

Was das Land dafür bezahlt

Die touristische Entwicklung am Standort Bad Harzburg fördert Niedersachsen mit knapp 3,5 Millionen Euro. Zwei Millionen Euro aus EFRE- und GRW-Mitteln flossen in den 2015 eröffneten Baumwipfelpfad, 742.000 Euro in die Baumschwebebahn. Weitere 750.000 Euro aus GRW-Mitteln gehen in die derzeit entstehende Wipfelerlebniswelt, die über eine Brücke direkt an den Pfad anschließen soll. Investor ist die Baumschwebebahn Bad Harzburg GmbH.

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