Am KRH Klinikum Siloah ist im Sommer erstmals eine Perorale Endoskopische Myotomie (POEM) durchgeführt worden, damit steht Patientinnen und Patienten mit Achalasie erstmals in der Region Hannover eine spezialisierte minimalinvasive Therapie zur Verfügung. Bei der Achalasie öffnet sich der untere Speiseröhrenschließmuskel beim Schlucken nicht ausreichend, sodass Nahrung und Flüssigkeit nicht ungehindert in den Magen gelangen. Typische Folgen sind Schluckstörungen, zurückfließende Nahrung, Schmerzen hinter dem Brustbein und Gewichtsverlust.
Monatelange Beschwerden bis zur Diagnose
Erste Patientin war die Yogalehrerin Alina Hellmann. Bei ihr begannen die Beschwerden schleichend: Beim Unterrichten stieg in bestimmten Körperhaltungen Nahrung wieder auf, zunächst vermutete sie ungünstige Essenszeiten vor dem Unterricht. Die Beschwerden nahmen jedoch zu, zuletzt konnte sie nur noch im Sitzen schlafen und verlor sechs Kilogramm Gewicht. Am KRH Klinikum Siloah brachte eine hochauflösende Ösophagusmanometrie, eine Druckmessung der Speiseröhre beim Schlucken, schließlich die Diagnose: Achalasie.
Tunnel in der Speiseröhrenwand statt äußerem Schnitt
Bei der POEM legt der Endoskopiker über einen kleinen Zugang in der Speiseröhrenschleimhaut einen Tunnel innerhalb der Speiseröhrenwand an. Darin wird die Muskulatur am Übergang zwischen Speiseröhre und Magen gezielt durchtrennt, anschließend verschließt er den Zugang zur Schleimhaut wieder mit endoskopischen Clips. „Für geeignete Patientinnen und Patienten ist die POEM eine sehr effektive und langfristig wirksame Therapie“, erklärt Dr. med. Daniel Vidaček, Leitender Oberarzt der Klinik. Entscheidend sei eine sorgfältige Diagnostik im Vorfeld, weil die Therapie individuell an die jeweilige Form der Achalasie angepasst werden müsse.
Der Eingriff bei Alina Hellmann verlief komplikationslos. Bereits am Abend der Behandlung habe sie eine deutliche Veränderung gespürt, sagt sie: „Plötzlich konnte ich wieder normal schlucken, ohne ständig darüber nachdenken zu müssen. Ich habe meine Energie zurück und kann wieder uneingeschränkt am Leben teilnehmen.“
Monatelange Vorbereitung im EndoLab
Initiiert wurde das POEM-Programm von Dr. Daniel Vidaček, der es gemeinsam mit Oberarzt Atef Abdelhay strukturiert aufbaute. „Ein solches Verfahren führt man nicht einfach von einem Tag auf den anderen ein“, sagt Chefarzt Prof. Dr. Frank Grünhage. Trainiert wurden neben POEM-Eingriffen auch weitere Techniken wie die Endoskopische Submukosadissektion (ESD), begleitet vom Pflege- und Anästhesieteam unter Leitung von Sven Richter. Den ersten klinischen Eingriff führte Vidaček unter Supervision von Prof. Dr. Hans-Peter Allgaier durch, einem erfahrenen Experten der Third-Space-Endoskopie aus Freiburg.
Spezialisierte Endoskopie jetzt wohnortnah
Mit der hochauflösenden Manometrie lässt sich die Funktionsstörung präzise einordnen, bislang mussten geeignete Patienten für die POEM häufig an überregionale Zentren weitervermittelt werden. „Diese Lücke können wir nun am eigenen Standort schließen“, sagt Oberarzt Atef Abdelhay. Patientinnen und Patienten mit Achalasie können damit künftig wohnortnah in Hannover behandelt werden.

