Ein Urlaubsfoto über die ganze Wohnzimmerwand, das Firmenlogo im Empfang oder eine Landschaft im Restaurant: Solche Motive lassen sich heute direkt auf die Wand drucken, ohne Tapete und ohne Folie. Die Schulz Raumkonzepte GmbH aus Wietmarschen, die unter dem Namen EDLE RÄUME Nordhorn-Lingen auftritt, setzt dafür den wallPen ein, einen UV-Tintenstrahldrucker für senkrechte Flächen.
Darüber haben wir mit Geschäftsführer Stefan Schulz gesprochen. Im Interview erklärt er, wie die Technik funktioniert, auf welchen Untergründen gedruckt werden kann, welche Bilddateien sich eignen, wie robust der Druck im Alltag ist und wann Tapete, Folie oder einfache Farbe die bessere Wahl bleiben.
So kommt das Motiv ohne Tapete auf die Wand
Wie funktioniert hochpräziser Wanddruck technisch?
Beim Wanddruck mit unserem wallPen handelt es sich um einen speziellen UV-Tintenstrahldrucker, der direkt auf senkrechte Flächen druckt.
Das Gerät wird vor der Wand positioniert und arbeitet mit mehreren Druckköpfen. Dabei werden winzige Tintentröpfchen gezielt auf die Oberfläche aufgebracht. Die Farben werden aus den Grundfarben Cyan, Magenta, Gelb und Schwarz zusammengesetzt. Zusätzlich kann mit Weiß gedruckt werden.
Das Besondere ist, dass die Tinte unmittelbar durch integrierte UV-Lampen ausgehärtet wird. Dadurch entsteht direkt auf der Wand ein fertiges Druckbild.
Der Drucker bewegt sich dabei automatisch an der Wand entlang. Lasersensoren erfassen den Abstand zur Oberfläche und helfen dabei, Unebenheiten auszugleichen. So können wir auch größere Motive sehr präzise direkt auf die Wand bringen.
Für den Kunden bedeutet das: Es wird keine Tapete, Folie oder sonstige Trägerfläche benötigt. Das Motiv kommt unmittelbar auf den vorhandenen Untergrund.
Wie wörtlich darf man „Jedes Motiv. Jede Fläche.“ nehmen?
Bei den Motiven sind wir tatsächlich sehr flexibel. Ob Urlaubsfoto, Familienbild, Landschaft, Kunstwerk, Schriftzug, Firmenlogo oder eine komplett individuelle Grafik, grundsätzlich können wir nahezu jedes Motiv umsetzen.
Auch bei den Untergründen bietet der wallPen viele Möglichkeiten. Wir können beispielsweise auf Putz, gestrichenen Wänden, Tapeten, Holz, Beton, Ziegel, Naturstein, Glas, Metall und vielen Fliesenoberflächen drucken.
Selbst strukturierte Oberflächen wie Rauputz oder Klinker sind möglich. Der wallPen kann Unebenheiten erkennen und der Druckkopf passt sich entsprechend an.
Natürlich gibt es trotzdem Grenzen. Der Untergrund sollte stabil, sauber und möglichst trocken sein. Stark abblätternde Farbe, lose Tapeten oder sehr problematische Oberflächen müssen zunächst vorbereitet werden.
Auch die Zugänglichkeit und die baulichen Gegebenheiten spielen eine Rolle. Wir prüfen deshalb vor jedem Projekt, ob sich die gewünschte Fläche technisch bedrucken lässt.
Ich würde also sagen, die Möglichkeiten sind außergewöhnlich groß, aber eine vorherige Prüfung gehört immer dazu.
Warum das Handyfoto nicht immer reicht
Welche Voraussetzungen muss eine Bilddatei erfüllen?
Grundsätzlich können wir mit sehr unterschiedlichen Dateiformaten arbeiten. Dazu gehören beispielsweise JPG, PNG, TIFF, PDF sowie Vektorformate wie AI und EPS.
Entscheidend ist allerdings weniger das Dateiformat als die tatsächliche Bildqualität.
Wenn jemand ein kleines Foto vom Smartphone auf eine 4 Meter breite Wand bringen möchte, kann das problematisch werden. Ein Bild, das auf dem Handy hervorragend aussieht, muss nicht automatisch für einen großflächigen Druck geeignet sein.
Wir schauen uns deshalb jedes Motiv vorab an. Wichtig sind eine ausreichende Auflösung, eine gute Schärfe, vernünftige Lichtverhältnisse und möglichst wenig Bildrauschen.
Besonders bei Fotos sollte man darauf achten, dass das Original möglichst hochauflösend ist. Bei Firmenlogos oder Grafiken sind Vektordateien häufig die beste Wahl, weil sie sich ohne Qualitätsverlust skalieren lassen.
Wir übernehmen bei Bedarf auch die Aufbereitung und Anpassung der Motive für die jeweilige Wandgröße.
Unser Ziel ist nicht einfach, irgendeine Datei auf die Wand zu bringen, sondern ein Ergebnis zu erzielen, das auch aus der Nähe hochwertig aussieht.
Wie widerstandsfähig ist der Wanddruck und wie sieht es mit der Reinigung aus?
Ein großer Vorteil unseres wallPen ist die verwendete UV-Tinte. Sie wird während des Druckvorgangs sofort durch UV-Licht ausgehärtet. Dadurch entsteht eine robuste Farbschicht auf dem Untergrund.
Die Drucke sind grundsätzlich wasser- und kratzbeständig und für den normalen Alltag gut geeignet. Das ist gerade in gewerblichen Räumen, Restaurants, Hotels oder Büros interessant, wo Wände stärker beansprucht werden können.
Bei der Reinigung sollte man trotzdem etwas vorsichtig sein. Wir empfehlen, die bedruckte Fläche schonend zu behandeln und bei Bedarf mit einem weichen, leicht feuchten Tuch zu reinigen. Aggressive Reinigungsmittel, Scheuermittel oder starkes Reiben würde ich vermeiden.
Auch beim Thema Sonnenlicht sollte man realistisch bleiben: Die UV-Aushärtung macht die Tinte widerstandsfähig, ist aber nicht automatisch eine Garantie dafür, dass ein Druck unter jeder Sonneneinstrahlung dauerhaft unverändert bleibt.
Wie lange ein Druck tatsächlich seine ursprüngliche Optik behält, hängt unter anderem vom Untergrund, der Lichteinstrahlung und der Beanspruchung ab.
Wann Tapete, Folie oder Farbe die bessere Wahl sind
Wo liegen die Unterschiede zu Tapete, Fototapete oder Folierung?
Der größte Unterschied ist, dass wir direkt auf die vorhandene Wand drucken.
Bei einer Fototapete muss zunächst das passende Material hergestellt beziehungsweise zugeschnitten und anschließend angebracht werden. Bei einer Folierung benötigt man ebenfalls eine zusätzliche Trägerfläche. Beim wallPen entfällt dieser Zwischenschritt.
Das bietet einige Vorteile:
- Das Motiv wird individuell für die jeweilige Wand gestaltet.
- Es entstehen keine Tapetenbahnen oder sichtbaren Übergänge zwischen einzelnen Folienstücken.
- Auch strukturierte Untergründe können bedruckt werden.
- Kleine Details, Schriftzüge und Logos lassen sich direkt integrieren.
- Es gibt keine Materialrollen, die gelagert oder passgenau zugeschnitten werden müssen.
Allerdings ist ein Wanddruck nicht automatisch für jedes Projekt die beste Lösung.
Wenn jemand eine komplette Wand mit einem einfarbigen Muster gestalten möchte, kann klassische Farbe die einfachere und günstigere Variante sein. Wenn eine Wand regelmäßig verändert werden soll, kann auch eine Folierung sinnvoller sein.
Unsere Stärke liegt vor allem dort, wo Individualität, hochwertige Bildmotive und eine direkte Bedruckung des vorhandenen Untergrunds gefragt sind.
Von der Arztpraxis bis zum Restaurant: Wanddruck im Gewerbe
Welche Möglichkeiten bietet Wanddruck für Unternehmen, Gastronomie und Büros?
Ich sehe gerade im gewerblichen Bereich ein enormes Potenzial. Wanddruck kann hier weit mehr sein als ein einfaches Firmenlogo an der Wand.
In der Gastronomie können beispielsweise komplette Landschaften, individuelle Kunstwerke oder atmosphärische Motive entstehen, die das Konzept eines Restaurants oder Cafés unterstreichen.
In Hotels lassen sich Empfangsbereiche, Flure und Zimmer individuell gestalten. Arztpraxen können mit beruhigenden Naturmotiven eine angenehmere Atmosphäre schaffen. In Büros können Unternehmenswerte, kreative Gestaltungselemente oder großflächige visuelle Konzepte umgesetzt werden.
Auch für den Einzelhandel ist das interessant. Schaufensterbereiche, Verkaufsräume und Präsentationsflächen lassen sich individuell gestalten.
Ein weiterer spannender Bereich ist die Orientierung und Beschilderung. Firmennamen, Wegweiser, Raumnummern oder Informationen können direkt auf Wände gedruckt werden.
Was ich besonders interessant finde: Unternehmen können ihre Räume damit zu einem Teil ihrer Markenidentität machen. Statt einfach nur einen weißen Raum zu haben, entsteht eine Umgebung, die die Persönlichkeit und das Konzept des Unternehmens widerspiegelt.
Rund 2 bis 3 Quadratmeter pro Stunde
Wie läuft ein Wanddruckprojekt vom ersten Wunsch bis zur fertigen Wand ab?
Im Grunde beginnt jedes Projekt mit einem Gespräch. Wir möchten zunächst wissen, was sich der Kunde vorstellt und welche Wirkung mit dem Motiv erreicht werden soll.
Danach schauen wir uns die gewünschte Wandfläche an. Dabei sind vor allem die Maße, der Untergrund, die Beschaffenheit der Wand und die Zugänglichkeit wichtig.
Im nächsten Schritt kümmern wir uns um das Motiv. Entweder bringt der Kunde bereits eine fertige Bilddatei mit oder wir unterstützen bei der Auswahl, Gestaltung und Aufbereitung.
Vor Ort bereiten wir den Drucker vor, richten ihn aus und nehmen die notwendigen Einstellungen vor. Danach beginnt der eigentliche Druck.
Je nach Größe, Motiv und gewünschter Druckqualität kann das unterschiedlich lange dauern. In der Praxis sind etwa 2 bis 3 Quadratmeter pro Stunde ein realistischer Richtwert für viele Anwendungen.
Nach dem Druck ist das Motiv durch die UV-Aushärtung unmittelbar ausgehärtet.
Ist Wanddruck noch eine Nische oder wird er künftig häufiger eingesetzt?
Ich glaube, dass Wanddruck in den kommenden Jahren deutlich an Bedeutung gewinnen wird.
Die Menschen legen immer mehr Wert auf Individualität. Das gilt nicht nur für die Einrichtung ihrer eigenen vier Wände, sondern auch für Unternehmen, Gastronomie, Hotels und öffentliche Einrichtungen.
Viele möchten sich von klassischen Gestaltungsmöglichkeiten abheben und Räume schaffen, die eine persönliche Geschichte erzählen oder einen bleibenden Eindruck hinterlassen.
Genau hier setzt der Wanddruck an. Wir können Motive umsetzen, die es so kein zweites Mal gibt. Der Kunde ist nicht auf vorgefertigte Tapetenmuster oder standardisierte Dekorationen angewiesen.
Ich sehe deshalb nicht nur im privaten Bereich großes Potenzial, sondern vor allem auch bei gewerblichen Kunden.
Natürlich ist Wanddruck heute noch nicht so bekannt wie klassische Wandgestaltung. Aber je mehr Menschen die Technik kennenlernen und die Ergebnisse sehen, desto selbstverständlicher wird sie meiner Meinung nach werden.
Für uns ist es eine spannende Möglichkeit, traditionelle Wandgestaltung mit moderner Drucktechnik zu verbinden.
Was vor dem ersten Wanddruck zu klären ist
Stefan Schulz verspricht viel, sagt aber auch klar, wo die Technik an Grenzen stößt. Gedruckt wird ohne Trägermaterial direkt auf Putz, Holz, Beton, Klinker, Glas oder Fliesen. Vorher prüft der Betrieb aber jede Wand: Der Untergrund muss stabil, sauber und trocken sein, lose Tapeten oder abblätternde Farbe müssen erst weg.
Über das Ergebnis entscheidet vor allem die Bilddatei. Ein Handyfoto, das auf dem Display gut aussieht, reicht für eine große Wand oft nicht. Logos kommen am besten als Vektordatei. Für die Planung hilft der Richtwert von rund 2 bis 3 Quadratmetern pro Stunde. Geputzt wird mit einem weichen, feuchten Tuch, und bei starker Sonne gibt es keine Garantie, dass die Farben unverändert bleiben. Wer nur eine einfarbige Wand will, fährt mit klassischer Farbe günstiger.

