Ein Jahr nach dem Amtsantritt der neuen Bundesregierung blickt der AvD kritisch auf die Fortschritte in der Mobilität. Trotz einiger ergriffener Maßnahmen bleibt der Fortschritt in der individuellen Mobilität für breite Bevölkerungsschichten begrenzt.
Positive Ansätze, aber begrenzte Entlastungen
Die Bundesregierung hat zahlreiche Maßnahmen zur Verbesserung der Mobilität initiiert, die auch vom Automobilclub von Deutschland (AvD) anerkannt werden. Ein wesentlicher Fortschritt ist die langfristige Sicherung des Deutschlandtickets bis 2030, was durch Bundesmittel gesichert wird. Auch steuerliche Anreize für E-Mobilität wie Sonderabschreibungen für Unternehmen und die Verlängerung der Kfz-Steuerbefreiung für Elektroautos finden positiven Anklang.
Zudem hebt der AvD hervor, dass die Vereinfachungen beim Führerscheinerwerb dazu führen könnten, die Kosten für Fahrschüler erheblich zu senken. Durch digitale Theorieangebote und bessere Prüfungsverfahren könnten im Idealfall Einsparungen von bis zu 20 Prozent pro Führerschein erreicht werden.
Unzureichende Unterstützung für Haushalte
Trotz dieser positiven Entwicklungen kritisiert der AvD jedoch, dass die Maßnahmen nicht weit genug gehen und oft an der Lebensrealität vieler Autofahrer vorbeigehen. Insbesondere private Haushalte mit mittleren und niedrigen Einkommen profitieren kaum von den Förderprogrammen, die stark auf gewerbliche Nutzer ausgerichtet sind. Konkrete Instrumente wie Social Leasing oder Kaufanreize für Privatpersonen wurden bisher nicht umgesetzt, obwohl sie im Koalitionsvertrag angekündigt waren.
Die derzeit stark steigenden Kosten, insbesondere durch höhere CO₂-Abgaben und hohe Energiepreise, verursachen zusätzliche Belastungen für die Verbraucher. Die Kritik des AvD richtet sich auch gegen die unzureichende soziale Flankierung der Transformation im Verkehrssektor. Viele Menschen sind auf ihren Pkw angewiesen, besonders in ländlichen Regionen, wo Alternativen fehlen.
Dringender Handlungsbedarf gefordert
AvD-Präsident Lutz Leif Linden fordert ein Umdenken: „Bezahlbare Mobilität darf kein politisches Versprechen bleiben. Sie muss endlich im Geldbeutel der Menschen ankommen.“ Die Bundesregierung habe wichtige Weichenstellungen vorgenommen, doch die Umsetzung orientiere sich nicht ausreichend an der Lebensrealität vieler Bürger. Der AvD fordert daher stärkere Maßnahmen zur Senkung der Kraftstoffkosten und eine breitere Förderung, die auch technologieoffene Ansätze beinhaltet.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die ersten Schritte der Bundesregierung in Bezug auf individuelle Mobilität in die richtige Richtung weisen, jedoch zwingend mehr Handlungsbedarf erforderlich ist, um Mobilität für alle bezahlbar zu gestalten.

