Rund 90 Prozent der landwirtschaftlichen Betriebe in Deutschland werden von Männern geleitet. Niedersachsen, Bremen und Hamburg wollen das ändern und haben dazu eine gemeinsame Initiative bei der Agrarministerkonferenz eingebracht, die vom 23. bis 25. September 2026 in Würzburg tagt. Die drei Länder fordern den Bund auf, Landwirtinnen sozial, rechtlich und wirtschaftlich besser abzusichern.
Mutterschutz auch für selbstständige Bäuerinnen
Zentraler Punkt ist der Mutterschutz. Anders als angestellte Frauen haben selbstständige Landwirtinnen bislang keinen vergleichbaren gesetzlichen Schutz, obwohl sie auch während Schwangerschaft und nach der Geburt für Betrieb, Tiere und Beschäftigte verantwortlich bleiben. Die Länder verlangen einen Mutterschutz mit vergleichbarem Umfang und vergleichbarer Dauer. Wie er finanziert werden kann, soll geprüft werden.
Außerdem geht es um eine eigenständige Altersvorsorge und um bessere Chancen bei Hofübernahmen und Existenzgründungen. Niedersachsens Landwirtschaftsministerin Miriam Staudte (Grüne) verweist darauf, dass nur wenige Frauen Eigentum am Betrieb haben: „Damit aber ist die soziale Absicherung in vielen Fällen unzureichend.“
Frauenquote und Gender-Monitoring bei Fördergeld
Die Länder wollen zudem eine verbindliche bundesweite Frauenquote in den Gremien, die über Förderung und Entwicklung ländlicher Räume entscheiden. Der Bund soll bis zur Frühjahrs-Agrarministerkonferenz 2027 schriftlich berichten, wie er das umsetzt. Direktzahlungen und andere Förderprogramme sollen künftig regelmäßig nach Geschlecht ausgewertet und die Zahlen veröffentlicht werden. Für die Reform der Gemeinsamen Agrarpolitik der EU ab 2028 soll geprüft werden, ob Altersgrenzen oder Antragsverfahren Frauen ungewollt benachteiligen.
Hamburgs Agrarsenatorin Katharina Fegebank (Grüne) sagt, Frauen fielen bei Mutterschutz und Altersvorsorge „schlicht durchs Raster“. Bremens Umweltsenatorin Henrike Müller (Grüne) nennt die Initiative ein Signal: Wer die Landwirtschaft zukunftsfest machen wolle, müsse Frauen stärken.
UN-Jahr der Landwirtinnen
Anlass ist auch das Internationale Jahr der Frauen in der Landwirtschaft, das die Vereinten Nationen für 2026 ausgerufen haben.

