Zehn Tage lang haben wir den ersten Osnabrücker Lebenslagenbericht durchgearbeitet. Am Ende steht ein Befund, der sich durch jedes Kapitel zieht: Wie es Menschen in dieser Stadt geht, hängt messbar davon ab, in welchem Stadtteil sie wohnen. Dieselben vier bis acht Namen tauchen bei Armut, Kinderarmut, Sprachtests, Zahngesundheit und Sterbealter immer wieder auf.
Die Stadt zieht daraus eine Konsequenz: Das Quartier ist die wichtigste Handlungsebene. Vieles andere kann sie nicht beeinflussen, die sozialen Sicherungssysteme liegen beim Bund, Schulstruktur und Lehrpläne beim Land.
Wo die Stadt ansetzen will
Der Bericht nennt vor allem Zugänge. Sozialleistungen sollen so gestaltet sein, dass Berechtigte sich nicht abgeschreckt oder beschämt fühlen. Ansprechpersonen von Verwaltung, Jobcenter und Trägern sollen im Quartier präsent sein, wie im Nette-Quartier und im Stadtteilbüro Schinkel. Dazu kommen vergünstigte Zugänge zu Kultur über Kukuk-Karte und OS-Pass sowie der Ausbau des geförderten Wohnungsbaus.
Bei Kindern setzt der Bericht auf Sprachförderung mit sozialräumlicher Differenzierung, auf die Fortführung der Familienbegleitungen in Kitas und ihre Ausweitung dorthin, wo das Sozialmonitoring negative Trends zeigt, sowie auf die Verstetigung der Familienbegleitung an Grundschulen.
Für Ältere geht es um generationengerechte Quartiere, um Pflegeberatung, die die räumliche Verteilung berücksichtigt, und um die präventiven Hausbesuche ab 75 Jahren, die derzeit in Haste erprobt werden.
Wie es weitergeht
Der Lebenslagenbericht soll nicht der letzte seiner Art bleiben. Künftig will die Sozialplanung zusätzlich kürzere, anlassbezogene Auswertungen zu einzelnen Themen, Quartieren oder Stadtteilen vorlegen, auch als Reaktion auf Anfragen aus Politik und Öffentlichkeit.
Alle Teile der Serie
- Teil 1: Elf Prozent leben von Mindestsicherung
- Teil 2: In diesen acht Stadtteilen ballt sich die Armut
- Teil 3: Fast jedes fünfte Kind lebt von Bürgergeld
- Teil 4: 20 Prozentpunkte Unterschied bei der Kita-Betreuung
- Teil 5: Wo ein Kind wohnt, entscheidet mit über den Schulweg
- Teil 6: Vorsorge und Zähne, ungleich verteilt
- Teil 7: Sechs Jahre Unterschied beim Sterbealter
- Teil 8: Wohnungsnotfälle vervierfacht
- Teil 9: 8.385 Menschen werden zu Hause gepflegt

